Fachbeitrag · Sexualtherapie

Sexuelle Fantasien verstehen: Was Begehren über unsere Geschichte erzählt

Sexuelle Fantasien sind kein Zufall – und kein Randthema. Sie verraten, wonach sich ein Mensch sehnt, wovor er sich schützt und welche Erfahrungen ihn geprägt haben. Trotzdem spielen sie in vielen Paar- und Sexualtherapien kaum eine Rolle. In der Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie gehören sie zum Kern der Arbeit. Dieser Beitrag zeigt, was Fantasien bedeuten, was der Sexualtherapeut Jack Morin dazu herausgefunden hat, wie wir therapeutisch mit ihnen arbeiten – und wie du das in unserer Ausbildung lernst.

Von , Dipl.-Psych., Paar- und SexualtherapeutInstitut für Beziehungsdynamik, BerlinLesezeit ca. 11 Min.
Paar im vertrauensvollen Gespräch über sexuelle Fantasien in der Paartherapie
Seit 2006Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie am Institut für Beziehungsdynamik
Eigenes Seminarzu sexuellen Fantasien in Paar- und Einzeltherapie
12 Seminare · 36 Tagezweijährige Ausbildung, ca. 300 Stunden
Paar & Einzeletwa die Hälfte unserer Arbeit findet mit Einzelklient*innen statt
Inhalt dieses Artikels
  1. Was sexuelle Fantasien bedeuten
  2. Der blinde Fleck der Therapie
  3. Jack Morin: Das erotische Denken
  4. Wie Lebensgeschichte zu Begehren wird
  5. Was hinter einer Fantasie stecken kann
  6. Was die Forschung zeigt
  7. Fallbeispiele
  8. So arbeiten wir Beziehungsdynamisch mit Fantasien
  9. Das lernst du in unserer Ausbildung
  10. Häufige Fragen

Was bedeuten sexuelle Fantasien?

Kurz erklärt

Sexuelle Fantasien sind innere Bilder, Szenen oder Geschichten, die sexuelle Erregung auslösen oder begleiten. Sie sind fast universell verbreitet und nicht gleichbedeutend mit Wünschen, die man real erleben möchte. Psychologisch betrachtet verdichten sie oft emotionale Bedürfnisse – etwa gesehen, begehrt, gehalten oder von Verantwortung entlastet zu werden – zu einem erotischen Bild.

Viele Menschen kennen die Frage: „Warum erregt mich ausgerechnet das?“ Manche Fantasien wirken befremdlich, manche peinlich, manche passen scheinbar nicht zum eigenen Selbstbild. Meist folgt ein inneres Urteil – und das Thema verschwindet wieder.

Aus Beziehungsdynamischer Sicht lohnt sich ein anderer Blick: Eine Fantasie ist so etwas wie ein Gespräch mit der eigenen Geschichte. Was früher gefehlt hat, was schmerzhaft war oder verboten schien, taucht im erotischen Erleben oft wieder auf – nicht als Störung, sondern als kreativer Versuch, etwas zu vervollständigen oder zu meistern.

„Die Frage ist nicht: Ist meine Fantasie normal? Sondern: Welches Bedürfnis spricht sich darin aus?“

Der blinde Fleck vieler Paar- und Sexualtherapien

In der Praxis erleben wir immer wieder: Sexuelle Fantasien werden in Paar- und Sexualtherapien selten zum Thema. Gesprochen wird über Häufigkeit, Lustlosigkeit, Erektion oder Schmerzen – aber kaum darüber, was einen Menschen eigentlich erregt und warum.

Das hat Gründe. Fantasien sind schambesetzt, oft auch für Therapeut*innen. Viele Ausbildungen bereiten kaum darauf vor, offen und ohne Wertung danach zu fragen. Und manche Fantasien wirken auf den ersten Blick so widersprüchlich, dass man sie lieber nicht anrührt.

Dabei ist kaum ein Zugang so direkt. Fantasien zeigen ungeschminkt, wonach sich jemand sehnt, welche inneren Anteile im Alltag keinen Platz haben und was in einer Beziehung unausgesprochen bleibt. Wer mit sexuellen Themen arbeitet, kommt an ihnen eigentlich nicht vorbei.

Genau hier setzt die Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie an, die wir seit 2006 am Institut für Beziehungsdynamik entwickeln. Sexuelle Fantasien sind für uns kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Zugang – in der Paartherapie ebenso wie in der Einzeltherapie. Und deshalb haben sie auch in unserer Ausbildung einen festen Platz.

Therapieraum am Institut für Beziehungsdynamik in Berlin-Schöneberg
Ein sicherer Rahmen ist die Voraussetzung, um über Fantasien zu sprechen.
Theorie

Jack Morin: Wie das erotische Denken funktioniert

Einer der wichtigsten Bezugspunkte für die therapeutische Arbeit mit Fantasien ist der US-amerikanische Sexualtherapeut Jack Morin (1946–2013). In seinem Buch The Erotic Mind (1995; deutsche Ausgabe: Erotische Intelligenz, Goldmann 1997) wertete er die Schilderungen von 351 Frauen und Männern aus, die ihre intensivsten erotischen Erlebnisse und Fantasien beschrieben hatten. Morin gilt als einer der Ersten, die eine ressourcenorientierte, an der positiven Psychologie ausgerichtete Haltung in die Sexualtherapie brachten (Würdigung).

Seine Grundfrage war nicht „Was ist gestört?“, sondern: Was macht Erregung eigentlich aus – und was erzählt sie über den Menschen?

Die erotische Gleichung

Anziehung + Hindernisse = Erregung

Erregung entsteht nach Morin nicht trotz, sondern oft gerade durch Spannung: durch Distanz, Verbote, Unsicherheit oder Widerstände, die überwunden werden wollen.

Das erklärt, warum Leidenschaft in langen Beziehungen nachlassen kann, wenn alle Hindernisse verschwunden sind – und warum Fantasien so oft von Grenzen, Macht oder Verbotenem handeln.

Die vier Eckpfeiler der Erotik

Aus den Schilderungen leitete Morin vier wiederkehrende Quellen erotischer Erregung ab:

1

Sehnsucht und Vorfreude

Das Begehren nach etwas, das (noch) nicht da ist: Warten, Abwesenheit, Annäherung.

2

Verbote übertreten

Der Reiz des Unerlaubten – gesellschaftlich, familiär oder im eigenen Selbstbild.

3

Die Suche nach Macht

Erotische Spiele mit Kontrolle, Hingabe, Dominanz und Unterwerfung.

4

Ambivalenz überwinden

Spannung zwischen widersprüchlichen Gefühlen wie Lust und Angst, Nähe und Distanz.

Das zentrale erotische Thema

Besonders fruchtbar für die Therapie ist Morins Begriff des zentralen erotischen Themas (core erotic theme). Gemeint ist ein wiederkehrendes Muster, das sich durch die Fantasien und Höhepunkte eines Menschen zieht – eine Art Grundmelodie des Begehrens. Morin beobachtete, dass in diesen Themen häufig alte Schwierigkeiten stecken: frühe Kränkungen, Mangelerfahrungen oder Konflikte, die im erotischen Erleben verwandelt werden. Wer sein Thema kennt, versteht sich selbst besser und kann sein Begehren bewusster gestalten.

Morins Ansatz in der Praxis: In Seminar 6 unserer Ausbildung übersetzen wir die erotische Gleichung und das zentrale erotische Thema in konkrete therapeutische Arbeit.

Zum Seminar

Wie Lebensgeschichte zu Begehren wird

Dass frühe Erfahrungen in sexuellen Fantasien weiterwirken, beschreiben mehrere Autoren – mit unterschiedlichen Akzenten:

Robert J. Stoller

Aus Ohnmacht wird Triumph

Der Psychoanalytiker sah in sexueller Erregung oft den Versuch, frühe Kränkungen in der Fantasie umzuschreiben – diesmal mit gutem Ausgang (Sexual Excitement, 1979).

Jack Morin

Aus Schwierigkeiten wird Erregung

Das zentrale erotische Thema enthält häufig alte Mangel- oder Konflikterfahrungen, die im erotischen Erleben eine neue, lustvolle Gestalt bekommen.

Michael J. Bader

Fantasie schafft Sicherheit

Fantasien neutralisieren unbewusste Schuld-, Sorge- und Schamgefühle, die Erregung sonst blockieren würden (Arousal, 2002).

Daraus ergeben sich zwei typische Bewegungen. Manchmal richtet sich das Begehren auf das, was gefehlt hat: Wer sich als Kind selten sicher gefühlt hat, sehnt sich vielleicht nach Halt und Verlässlichkeit. Manchmal nähert es sich der alten Verletzung an und verwandelt sie: Wer sich früher ohnmächtig gefühlt hat, findet womöglich Spiele mit Kontrolle und Hingabe erregend.

Der Unterschied zur Kindheit: In der Fantasie und im einvernehmlichen Spiel bestimmt der Mensch selbst. Was einmal überwältigend war, wird gestaltbar. Darin liegt ein Stück Selbstermächtigung.

Was hinter einer Fantasie stecken kann

Dieselbe Fantasie kann bei zwei Menschen ganz Verschiedenes bedeuten. Die Übersicht zeigt mögliche Lesarten – als Anregung für Fragen, nicht als Deutungsschema.

Fantasie-Thema
Mögliches Bedürfnis dahinter
Unwiderstehlich begehrt werden
ganz gesehen und gemeint sein – ohne etwas leisten zu müssen
Sich hingeben, Kontrolle abgeben
endlich nicht zuständig sein, sich fallen lassen dürfen
Dominieren, führen, bestimmen
eigene Kraft und Wirksamkeit spüren, sich behaupten
Verbotenes, Heimliches, Fremdes
Freiheit von Regeln und Erwartungen, Lebendigkeit
Geborgenheit, Zärtlichkeit, Verschmelzung
Sicherheit, Halt, angenommen sein

Entscheidend ist immer das Erleben der Person selbst. Gute therapeutische Arbeit fragt nach – statt zu deuten.

Wissenschaftliche Einordnung

Was die Forschung über sexuelle Fantasien zeigt

Fantasien sind fast universell. Eine viel zitierte Übersichtsarbeit von Leitenberg und Henning (1995) zeigt: Die große Mehrheit von Männern und Frauen hat sexuelle Fantasien. Sie gehören zur normalen Sexualität und gehen nicht automatisch mit Unzufriedenheit oder Problemen einher.
„Ungewöhnliche“ Fantasien sind weniger ungewöhnlich als gedacht. In einer Befragung von 1.516 Erwachsenen in Québec (Joyal, Cossette & Lapierre, 2015) waren nur sehr wenige der abgefragten Fantasien statistisch selten. Fantasien von Unterwerfung und Dominanz berichtete ein erheblicher Teil beider Geschlechter. Die Autor*innen betonen: Eine Fantasie ist nicht dasselbe wie ein Wunsch, sie real zu erleben.
Fantasien sind biopsychosozial geprägt. Justin Lehmiller befragte für sein Buch Tell Me What You Want (2018) über 4.000 Erwachsene in den USA. Ein Ergebnis: Viele Menschen können selbst nicht genau sagen, woher ihre Fantasien stammen. Persönlichkeit, Erfahrungen und psychologische Bedürfnisse wirken oft unbemerkt mit (Zusammenfassung).

Einordnung: Die Verbindung zwischen bestimmten Kindheitserfahrungen und bestimmten Fantasien ist vor allem klinisch beschrieben (Stoller, Morin, Bader) und nicht im strengen Sinn empirisch belegt. Sie ist ein therapeutisches Verstehensmodell – kein Diagnoseschlüssel.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Zur Einordnung: Die Fallbeispiele sind fiktiv bzw. aus typischen Verläufen verdichtet. Sie zeigen therapeutisches Denken, keine allgemeingültigen Ursachen.
Einzeltherapie

Anna, 39: „Ich schäme mich für das, was mich erregt“

Anna ist beruflich erfolgreich, trägt Verantwortung für ein Team und war schon als Kind „die Vernünftige“ in der Familie. Sie kommt, weil sie sich für Fantasien schämt, in denen sie sich vollständig hingibt und nichts entscheiden muss. Das passt nicht zu ihrem Bild einer selbstbestimmten Frau.

In der Arbeit mit inneren Anteilen wird ein erschöpfter Anteil hörbar, der sich danach sehnt, nicht immer stark sein zu müssen. Die Fantasie verliert ihren beschämenden Charakter, als Anna versteht, wofür sie steht.

Mögliches Thema: endlich nicht zuständig sein dürfen.
Paartherapie

Jonas und Mira: Die Fantasie, die niemand ausspricht

Das Paar kommt wegen nachlassender Lust. Beide beschreiben ihre Beziehung als liebevoll und harmonisch. Erst als nach Fantasien gefragt wird, erzählt Jonas zögernd, dass er sich wünscht, Mira würde ihn verführen und „die Führung übernehmen“. Mira ist überrascht – und erleichtert: Sie hatte geglaubt, ihre eigenen Wünsche nach mehr Initiative seien unpassend.

Die Fantasie wird zum Schlüssel für eine festgefahrene Rollenverteilung, in der beide Rücksicht genommen und dabei die erotische Spannung verloren hatten.

Mögliches Thema: Hindernisse fehlen – Harmonie hat die Spannung verdrängt.
Unser Ansatz

So arbeiten wir in der Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie mit Fantasien

Die Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie schaut auf das Zusammenspiel – zwischen zwei Menschen, aber auch zwischen den inneren Anteilen und Zuständen in jedem Einzelnen. Sexuelle Fantasien machen dieses Zusammenspiel besonders gut sichtbar: Der Anteil, der sich hingeben möchte, steht oft neben einem, der Kontrolle braucht; der Anteil, der begehrt, neben einem, der sich dafür schämt.

Ziel ist nicht, eine Fantasie zu „lösen“ oder wegzuarbeiten. Es geht darum, den beteiligten Anteilen eine Stimme zu geben – gerade den tabuisierten. Maßstab ist nie eine Norm, sondern das Erleben und der Leidensdruck der Klient*innen. In der Praxis gehen wir dabei meist in fünf Schritten vor:

  1. Einen sicheren Rahmen schaffenFantasien wertfrei erfragen und Scham ernst nehmen – auch die eigene als Therapeut*in.
  2. Das Bedürfnis hinter dem Bild findenWelches Gefühl wird gesucht? Wo liegt das Hindernis, das die Erregung trägt? Hier hilft Morins erotische Gleichung.
  3. Inneren Anteilen eine Stimme gebenDen sehnsüchtigen wie den schamvollen oder abwehrenden Anteil hörbar machen – oft erlebnis- und körperorientiert.
  4. Die Beziehungsdynamik einbeziehenIm Paar: Was zeigt die Fantasie über Rollen, Nähe und Distanz und das, was im „Dazwischen“ fehlt?
  5. Integrieren und selbst entscheidenWas soll Fantasie bleiben, was wird geteilt, was vielleicht einvernehmlich erlebt? Das entscheiden die Klient*innen.

Hilfreiche Fragen für die Exploration:

  1. Welches Gefühl suchst du in dieser Fantasie – jenseits der konkreten Handlung?
  2. Was ist das Hindernis in deiner Fantasie, und was passiert, wenn es überwunden wird?
  3. Wann in deinem Leben hast du dieses Gefühl vermisst – oder das Gegenteil erlebt?
  4. Welcher Teil in dir sehnt sich danach – und welcher Teil schämt sich dafür?
  5. Was davon möchtest du mit deinem Gegenüber teilen, und was soll Fantasie bleiben?

In der Paartherapie

Fantasien zu teilen, kann ein Paar beleben – oder verletzen. Wir begleiten Paare darin, Fantasien als Mitteilung über Bedürfnisse zu hören statt als Kritik oder Bedrohung. Oft zeigt eine Fantasie, welche Spannung in einer harmonischen, aber erotisch erstarrten Beziehung verloren gegangen ist. Niemand muss alles erzählen, und niemand muss etwas umsetzen.

Therapeutische Arbeit mit sexuellen Fantasien in der Einzeltherapie
Etwa die Hälfte unserer Arbeit findet mit Einzelklient*innen statt.

In der Einzeltherapie

Etwa die Hälfte unserer therapeutischen Arbeit findet mit Einzelklient*innen statt. Hier lässt sich das zentrale erotische Thema oft besonders frei erkunden – ohne Rücksicht auf die Reaktion eines Partners. Auch wer allein kommt, bringt seine Beziehungsgeschichte mit: Sie zeigt sich in den Fantasien.

Genau diese Arbeitsweise lernst du bei uns: In der Ausbildung erlebst du sie in Live-Demonstrationen, übst sie in Praxisgruppen und erfährst sie in der Selbsterfahrung am eigenen Begehren.

Kurz zusammengefasst

  • Sexuelle Fantasien sind fast universell und kein Zeichen einer Störung.
  • Sie verdichten oft emotionale Bedürfnisse, die mit der Lebensgeschichte zusammenhängen.
  • Jack Morin: Anziehung + Hindernisse = Erregung. Jeder Mensch hat ein zentrales erotisches Thema.
  • In vielen Paar- und Sexualtherapien bleiben Fantasien trotzdem ein blinder Fleck.
  • Wer die Wurzeln seines Begehrens versteht, wird freier darin – nicht ärmer.
Fort- und Weiterbildung

Das lernst du in unserer Ausbildung

Weil Fantasien in der Arbeit mit sexuellen Themen so zentral sind, haben sie in unserer Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie einen festen Platz: mit einem eigenen Seminar und als roter Faden durch viele weitere Module. Wie der Ansatz insgesamt aufgebaut ist, beschreibt unser Säulenartikel zur Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie. Die Ausbildung umfasst 12 dreitägige Seminare (36 Tage, ca. 300 Stunden) in einer festen Gruppe und verbindet drei Säulen: Selbsterfahrung, methodische Grundlagen und praktische Arbeit mit Live-Sitzungen, Fallbesprechungen und Übungsgruppen.

Teilnehmende der Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie im Seminar
Seminar 6: Sexuelle Fantasien in Paar- und Einzeltherapie – Theorie, Live-Arbeit und Selbsterfahrung.
Seminar6

Sexuelle Fantasien in Paar- und Einzeltherapie

Wie Fantasien unerfüllte Bedürfnisse oder abgespaltene Persönlichkeitsanteile ausdrücken, wie du in Paar- und Einzeltherapie wirksam damit arbeitest und wie Jack Morins Konzept der Erotischen Intelligenz in die Praxis übersetzt werden kann – an Fallbeispielen und in Selbsterfahrung.

Zum Seminar „Sexuelle Fantasien“ →

Auch diese Seminare greifen das Thema Begehren und Fantasie auf:

  • 2Sexuelles Profil, Komplexe und Komplexepisoden
  • 4Rollenbilder und Arbeit mit inneren Anteilen
  • 5Konflikte und Entwicklung zwischen Autonomie und Bindung
  • 6Sexuelle Fantasien in Paar- und Einzeltherapie
  • 11Arbeit mit dem „inneren Kind“
  • +Sexualität als Beziehungsgeschehen – durchgehend in allen Modulen

Selbsterfahrung spielt dabei eine zentrale Rolle – denn wer mit den Fantasien anderer arbeiten will, sollte die eigenen kennen.

Drei Wege in die Ausbildung

Berlin

Zweijährige Ausbildung

12 Seminare in Berlin-Schöneberg mit fester Gruppe und Abschlusswoche im Seminarhaus.

Ausbildung ansehen →

Steyerberg

Kompaktausbildung

Konzentrierte Lernblöcke im Seminarhaus im Lebensgarten Steyerberg bei Nienburg (Weser).

Kompaktausbildung ansehen →

Online

Online-Ausbildung

Orts- und zeitunabhängiger lernen mit begleiteten und eigenständigen Elementen.

Online-Ausbildung ansehen →

Kostenlos

Online-Workshop

Den Beziehungsdynamischen Ansatz unverbindlich kennenlernen, bevor du dich entscheidest.

Workshop ansehen →

Lerne, mit Fantasien und Begehren zu arbeiten

Du möchtest Klient*innen und Paare darin begleiten, ihr Begehren zu verstehen, statt es zu bewerten? In der Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie lernst du genau das – mit Theorie, Live-Arbeit und Selbsterfahrung. Wenn du erst hineinschnuppern möchtest, starte mit dem kostenlosen Online-Workshop.

Häufige Fragen zu sexuellen Fantasien

Sind sexuelle Fantasien normal?

Ja. Studien zeigen, dass die große Mehrheit der Erwachsenen sexuelle Fantasien hat. Auch Fantasien, die als ungewöhnlich empfunden werden, sind oft weit verbreitet. Problematisch wird es erst, wenn eine Fantasie starken Leidensdruck auslöst oder andere schädigt.

Was bedeuten sexuelle Fantasien?

Fantasien verdichten häufig emotionale Bedürfnisse zu einem erotischen Bild – etwa begehrt, gehalten, entlastet oder mächtig zu sein. Sie hängen oft mit Lebensgeschichte und inneren Anteilen zusammen. Was eine Fantasie für einen Menschen bedeutet, lässt sich aber nur im Gespräch mit ihm herausfinden, nicht aus einer Liste.

Muss ich meine Fantasien ausleben?

Nein. Eine Fantasie ist kein Auftrag. Viele Menschen genießen Fantasien gerade deshalb, weil sie Fantasie bleiben. Ob und was du davon teilen oder erleben möchtest, entscheidest du selbst – immer im Einvernehmen mit anderen.

Sollte ich meinem Partner oder meiner Partnerin meine Fantasien erzählen?

Das kann eine Beziehung beleben, aber auch verunsichern. Hilfreich ist, Fantasien als Mitteilung über Bedürfnisse zu teilen und nicht als Forderung. In der Paartherapie kann man üben, solche Gespräche gut zu führen.

Was ist das zentrale erotische Thema nach Jack Morin?

Der Sexualtherapeut Jack Morin beschreibt mit dem zentralen erotischen Thema (core erotic theme) ein wiederkehrendes Muster, das sich durch die Fantasien und erotischen Höhepunkte eines Menschen zieht. Es enthält oft alte Schwierigkeiten, die im erotischen Erleben verwandelt werden.

Welche Rolle spielen Fantasien in der Sexualtherapie?

In vielen Therapien werden sie kaum angesprochen, obwohl sie einen direkten Zugang zu Bedürfnissen, inneren Anteilen und Beziehungsmustern bieten. In der Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie sind sie ein zentrales Arbeitsfeld – in der Paar- wie in der Einzeltherapie.

Wie arbeitet die Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie mit Fantasien?

Sie versteht Fantasien als Ausdruck innerer Anteile und Beziehungsmuster. Statt Fantasien zu bewerten, wird das Bedürfnis dahinter erkundet, tabuisierten Anteilen eine Stimme gegeben und – im Paar – das Beziehungsgeschehen einbezogen. Maßstab ist das Erleben der Klient*innen, nicht eine Norm.

Wie lerne ich als Therapeut*in, mit sexuellen Fantasien zu arbeiten?

In unserer Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie gibt es ein eigenes Seminar zu sexuellen Fantasien in Paar- und Einzeltherapie; das Thema zieht sich außerdem durch weitere Module. Theorie, Live-Arbeit, Fallbesprechung und Selbsterfahrung greifen dabei ineinander. Einen niedrigschwelligen Einstieg bietet der kostenlose Online-Workshop.

Weiterlesen

Seminar

Sexuelle Fantasien in Paar- und Einzeltherapie

Das Ausbildungsseminar zum Thema dieses Artikels.

Säulenartikel

Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie

Ansatz, Haltung, Prozess und Forschung im Überblick.

Seminar

Rollenbilder und innere Anteile

Mit inneren Anteilen therapeutisch arbeiten.

Seminar

Sexuelle Skripte

Welche inneren Drehbücher unser sexuelles Erleben prägen.

Über den Autor

Diplom-Psychologe (Freie Universität Berlin), Heilpraktiker für Psychotherapie, Paar- und Sexualtherapeut. Robert A. Coordes hat 2006 das Institut für Beziehungsdynamik in Berlin gegründet und leitet es bis heute. Dort hat er die Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie entwickelt und leitet die Ausbildungen.

Seit 1999 arbeitet er als Therapeut, Coach und Seminarleiter. Er ist ausgebildet in systemischer Therapie, Körperpsychotherapie und Hypnotherapie und lehrt Sexualpsychologie an Hochschulen und Ausbildungsinstituten, u. a. in Erlangen-Nürnberg und München. Er ist Autor des Buchs Lust statt Frust (Goldmann, 2023).

Dieser Fachartikel dient der Information und ersetzt keine individuelle Beratung oder Therapie.

Literatur

  • Morin, J. (1997). Erotische Intelligenz. Die Erschließung der inneren Quellen sexueller Leidenschaft. München: Goldmann. (Original: The Erotic Mind, New York: HarperCollins, 1995)
  • Stoller, R. J. (1979). Sexual Excitement: Dynamics of Erotic Life [Sexuelle Erregung: Dynamik des erotischen Lebens]. New York: Pantheon. Keine deutsche Ausgabe.
  • Bader, M. J. (2002). Arousal: The Secret Logic of Sexual Fantasies [Erregung: Die geheime Logik sexueller Fantasien]. New York: St. Martin's Press. Keine deutsche Ausgabe.
  • Lehmiller, J. J. (2018). Tell Me What You Want: The Science of Sexual Desire and How It Can Help You Improve Your Sex Life [Sag mir, was du willst: Die Wissenschaft des sexuellen Begehrens]. New York: Da Capo. Keine deutsche Ausgabe.
  • Leitenberg, H. & Henning, K. (1995). Sexual fantasy [Sexuelle Fantasien – Übersichtsarbeit]. Psychological Bulletin, 117(3), 469–496.
  • Joyal, C. C., Cossette, A. & Lapierre, V. (2015). What exactly is an unusual sexual fantasy? [Was genau ist eine ungewöhnliche sexuelle Fantasie?] The Journal of Sexual Medicine, 12(2), 328–340. (PubMed)

Englische Titel ohne deutsche Ausgabe sind in eckigen Klammern sinngemäß übersetzt. Fachartikel sind nur im englischen Original erschienen.