Hier wird das dritte Seminar unserer zweijährigen Weiterbildung in Beziehungsdynamischer Paartherapie und Sexualtherapie beschrieben. Es ist nicht möglich, dieses Seminar separat zu buchen, denn es ist Teil eines geschlossenen Ausbildungsdurchgangs einer festen Gruppe.
Seit 2012 bilden wir am Institut für Beziehungsdynamik Therapeut*innen fort und weiter. Alle Infos zu unseren Weiterbildungen finden sich hier auf unserer Website. Gerne können Sie bei Fragen auch Kontakt zu uns aufnehmen.
Viele Klient*innen leiden unter inneren Widersprüchen in Bezug auf die eigene Sexualität und in Beziehungen. So kann es sein, dass ein Mensch sich einerseits nach sexueller Unterwerfung sehnt, andererseits dem Partner auf „Augenhöhe“ begegnen will. Innere Anteile, die in uns nebeneinander existieren, können widersprüchliche „Positionen“ in uns vertreten. Dies wird oftmals am Beispiel verinnerlichter Rollenbilder besonders deutlich. Daher beginnen wir unseren intensiven und strukturierten Prozess der Teilearbeit mit verinnerlichten Männerbildern, Frauen- und Rollenbildern.
In vielen Psychotherapieverfahren und -Schulen findet sich die Idee der inneren Anteile. Beispielsweise hat Carl Gustav Jung, der Begründer der Tiefenpsychologie, den Begriff der Archetypen geprägt, der in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen ist. Sehr bekannt ist das Modell des inneren Teams des deutschen Kommunikationspsychologen Friedemann Schulz von Thun. Er konzipiert dabei innere Anteile, die wie ein inneres Team zusammenarbeiten oder eben auch nicht. Und wahrscheinlich jeder hat inzwischen bereits von einem der häufigsten inneren Anteile, dem „inneren Kind“ gehört.
Die Perspektive der inneren Anteile soll erfahrbar werden und durch therapeutische Anwendung verinnerlicht werden. Wir vermitteln einen struktierten Prozess mit sieben Stufen, die jeweils eigene Implikationen haben und die sich mit Übung in den sexualtherapeutischen und beziehungstherapeutischen Prozess integrieren lassen.
Anhang eigener Rollenbilder üben die Teinehmer*innen diese therapeutische Möglichkeit ein. Sie lernen den in der Beziehungsdynamischen Sexualtherapie zentralen Aspekt des „inneren Zustandes“ erfahrungsorientiert kennen.
Die Ego-State-Therapie ist eine moderne und effiziente psychotherapeutische Methode, die auf der Annahme basiert, dass die menschliche Persönlichkeit aus verschiedenen Ich-Anteilen oder Ego-States besteht.
Die Therapieform wurde ab 1980 von John und Helen Watkins entwickelt und hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch verschiedene Persönlichkeitsanteile oder Ich-Zustände besitzt, die jeweils eigene Affekte, Körperempfindungen, Erinnerungen und Verhaltensweisen aufweisen.
Das Hauptziel der Ego-State-Therapie ist die Integration der verschiedenen Ich-Anteile, sodass diese harmonisch zusammenarbeiten können.
Geeignet ist Teilearbeit, eine für uns sehr wirkungsvolle und zugleich sanfte Arbeitsweise bei vielen psychotherapeutischen Problemstellungen. Vor allem für die Sexualtherapie und Beziehungstherapie haben wir durch Integration körperorientierter Vorgehensweise eine gut anwendbare Beziehungsdynamische Vorgehensweise entwickelt.
Geschlechterrollen sind gesellschaftlich akzeptierte Erwartungen bzw. nicht hinterfragte Erwartungen an das Verhalten von Männern, Jungen, Mädchen und Frauen in verschiedenen Lebensbereichen, wie Familie, Beruf und sozialen Interaktionen. Diese Rollenbilder sind nicht statisch, sondern unterliegen einem ständigen Wandel, beeinflusst durch gesellschaftliche Veränderungen, neue Erkenntnisse und unterschiedliche Lebenskontexte.
Die Vermittlung von Geschlechterstereotypen beginnt bereits in der Kindheit durch Eltern, Medien und das soziale Umfeld. Diese Stereotype prägen nicht nur das Selbstbild, sondern damit auch die Sexualität und Beziehungsgestaltung. Massenmedien spielen eine entscheidende Rolle bei der Formung von Werten und Normen, indem sie vermeintlich „typische“ Eigenschaften für Männer und Frauen darstellen, was zu einer Verzerrung der Wahrnehmung der tatsächlichen „Geschlechterverhältnisse“ führen kann.
Die Ideal-Vorstellungen von uns sowie damit auch die Schattenseiten, mit denen wir uns in diesem Seminar beschäftigen werden, sind maßgeblich durch verinnerlichte Rollenvorstellungen und -Bilder beeinflusst.
Die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen ist entscheidend fürdas Selbstverständnis und das Erlangen von Bewegungsfreiheit in Beziehung und Sexualität.
Für uns am Institut für Beziehungsdynamik geht es darum, die eigenen prägenden Vorstellungen ins Bewusstsein zu bringen und einer „Prüfung“ zu unterziehen. Für uns gibt es nicht die „richtige“ Rolle oder eine „wahre“ Geschlechterrolle, die es zu füllen gilt. Wir arbeiten immer mit den verinnerlichten Widersprüchen, die unsere Klient*innen mitbringen und hierbei zeigen, sich insbesondere moralische Vorgaben gemäß „richtig“ oder „falsch“ hinderlich.
Systemische Skulpturarbeit ist eine therapeutische Methode, die in der Familientherapie und in der systemischen Therapie zur Darstellung und Analyse von Beziehungen innerhalb eines Systems, insbesondere in Familien, eingesetzt wird. Diese Methode wurde von der amerikanischen Psychotherapeutin Virginia Satir in den 1970er Jahren entwickelt und zielt darauf ab, die Dynamik und die emotionalen Verstrickungen innerhalb einer Familie sichtbar zu machen.
Im vierten Seminar werden wir diese Arbeitsweise vermitteln und um die körperpsychotherapeutische Dimension erweitert anwenden.
Bei der Skulpturarbeit stellen die Teilnehmer*innen physisch ihre Beziehungen zueinander dar, indem sie sich im Raum positionieren. Diese Positionen und Abstände spiegeln die tatsächlichen emotionalen und relationalen Dynamiken wider. Ein zentrales Element dieser Methode ist die nonverbale und „energetische“ Kommunikation. Die Teilnehmer*innen nutzen Gestik, Mimik und Körperhaltung, um ihre Gefühle und Gedanken auszudrücken, was oft tiefere Einsichten ermöglicht als rein verbale Kommunikation.
Für die Beziehungsdynamische Sexualtherapie und Beziehungstherapie ist diese bewegte und körperorientierte Skulpturarbeit eine kreative und dynamische Möglichkeit, komplexe emotionale Themen zu erkunden und Veränderungen sozialen Kontext anzustoßen.
In der analytischen Psychologie von Carl Gustav Jung sind die Konzepte der Persona und des Schatten zentrale Elemente, die das Verständnis der menschlichen Psyche prägen. Beide Begriffe stehen in einem dynamischen Verhältnis zueinander und helfen, die Komplexität des menschlichen Verhaltens und Erlebens zu erklären. Persona wird ist betrifflich eng mit Ich-Ideal verbunden. Wir nutzen gerne vereinfachend „Ideal“, um die nach außen gerichtete Seite zu kennzeichnen, die man entwickelt hat, weil man glaubt, darüber soziale Vorteile zu bekommen.
Die Persona bezeichnet die nach außen hin gezeigte Einstellung eines Menschen, die seiner sozialen Anpassung dient. Sie fungiert als Maske, die das Individuum in sozialen Interaktionen präsentiert, und kann oft mit dem Selbstbild identisch sein
Jung beschreibt die Persona als eine Art Kompromiss zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Sie ermöglicht es dem Einzelnen, in sozialen Kontexten zu agieren, indem sie gesellschaftlich akzeptierte Rollen und Verhaltensweisen übernimmt
Eine übermäßige Identifikation mit der Persona kann zur Verlust der Individualität führen. Wenn das Individuum sich zu stark anpasst, kann es in Konflikte mit den unbewussten Teilen seiner Psyche geraten, die im Schatten verborgen sind
Der Schatten repräsentiert die dunklen, unterdrückten Aspekte der Persönlichkeit – all jene Eigenschaften und Verhaltensweisen, die das Individuum nicht akzeptiert oder anerkennt. Dazu gehören sowohl negative Eigenschaften wie Neid und Egoismus als auch potenzielle Talente oder positive Eigenschaften, die als gesellschaftlich unangemessen gelten.
Der Schatten ist ein unvermeidlicher Teil des menschlichen Seins. Jung betont, dass die Auseinandersetzung mit dem Schatten essenziell für den Prozess der Individuation ist – das Streben nach einem vollständigen Selbst
Durch das Bewusstmachen und Integrieren des Schattens können Individuen ihre psychische Gesundheit fördern und ein authentischeres Leben führen.
Die Persona und der Schatten stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander. Während die Persona das „helle“ Gesicht des Individuums zeigt, repräsentiert der Schatten dessen „dunkle“ Seite. Diese Dualität ist entscheidend für das Verständnis der menschlichen Psyche. In der Sexualtherapie zeigt sich, dass der „Schatten“ Menschen oftmals im Bett begegnet. In sexuellen Störungen offenbart ist oft, was abgelehnt und verdrängt wird.
Jung betont die Notwendigkeit, beide Aspekte zu erkennen und zu integrieren. Nur durch die Auseinandersetzung mit dem Schatten kann ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Teilen des Selbst erreicht werden. Dies führt zu einer tieferen Selbsterkenntnis und einem authentischeren Leben.
Die Konzepte von Persona und Schatten sind fundamental für Jungs Theorie der analytischen Psychologie. Auch in der Beziehungsdynamischen Sexualtherapie ist diese Polariträt zentral. Sie hilft uns sexuelle und partnerschaftliche Probleme wertschätzend zu verstehen und zu überwinden.
Im vierten Seminar werden wir verstärkt für diese beiden Pole sensibilsieren und anhand von zustandsorientierter Teilearbeit lernen die Teilnehmer*innen ein strukturiertes Vorgehen kennen.
Persona, Schatten, Rollenbilder, Männerbild, Frauenbild, Skulpturarbeit, systemische Therapie, Ego States Therapie, Teilearbeit, innere Anteile, inneres Team