Berufsweg & Ausbildung

Wer darf sich Therapeut nennen? Geschützte und freie Berufsbezeichnungen

Du möchtest mit Menschen therapeutisch arbeiten und fragst dich, wie du dich nennen darfst? Hier erfährst du, welche Bezeichnungen in Deutschland geschützt sind, was „Heilkunde“ rechtlich bedeutet und wie du dich ehrlich und rechtssicher vorstellst.

Von Robert A. CoordesFachlich geprüft: November 2026Lesezeit: ca. 7 Minuten
Viele Hände liegen in einem Kreis übereinander
Kurz gesagt

Das Wort „Therapeut“ allein ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Geschützt sind aber bestimmte Berufsbezeichnungen – allen voran „Psychotherapeut:in“, die nur mit Approbation (oder als Ärzt:in) geführt werden darf. Entscheidender als der Name ist, was du tust: Wer Krankheiten feststellt, heilt oder lindert, übt Heilkunde aus und braucht dafür eine Erlaubnis – als Ärzt:in, mit Approbation oder als Heilpraktiker:in. Bezeichnungen wie Paartherapeut:in oder Sexualtherapeut:in sind frei, dürfen aber nicht in die Irre führen.

Die Frage klingt formal, berührt aber den Kern therapeutischer Arbeit: Menschen, die Hilfe suchen, sollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und du sollst wissen, was du mit deiner Qualifikation darfst – und wo deine Grenze liegt.

Inhalt
  1. Ist „Therapeut“ ein geschützter Begriff?
  2. Welche Berufsbezeichnungen geschützt sind
  3. Heilkunde: Entscheidend ist die Tätigkeit
  4. Wer darf sich Heilpraktiker nennen?
  5. Paartherapeut:in und Sexualtherapeut:in
  6. Irreführung vermeiden: so stellst du dich vor
  7. Was bei Verstößen droht
  8. Häufige Fragen

Ist „Therapeut“ ein geschützter Begriff?

Nein. Für das Wort „Therapeut“ allein gibt es in Deutschland kein Berufsgesetz. Deshalb findest du viele zusammengesetzte Bezeichnungen, die ebenfalls nicht geschützt sind – etwa Paartherapeut:in, Sexualtherapeut:in, Familientherapeut:in, Körpertherapeut:in oder Traumatherapeut:in.

„Nicht geschützt“ heißt aber nicht „beliebig“. Zwei Grenzen gelten immer:

  • Geschützte Berufsbezeichnungen darfst du nur mit der passenden Qualifikation führen – auch nicht in leicht abgewandelter Form, die zum Verwechseln ähnlich ist.
  • Heilkunde darfst du nur mit Erlaubnis ausüben – ganz gleich, wie du dich nennst.

Welche Berufsbezeichnungen geschützt sind

Für das therapeutische Feld sind vor allem diese Bezeichnungen wichtig:

Auswahl für Deutschland, vereinfacht. Stand: November 2026.
BezeichnungVoraussetzungRechtsgrundlage
Psychotherapeut:inApprobation als Psychotherapeut:in; Ärzt:innen dürfen sich „ärztliche:r Psychotherapeut:in“ nennen§ 1 PsychThG, § 132a StGB
Psychologische:r Psychotherapeut:in, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut:inApprobation nach altem Recht (Übergangsregelung bis 2032, in Härtefällen bis 2035)§ 27 PsychThG, § 132a StGB
Ärzt:inMedizinstudium und ApprobationBundesärzteordnung, § 132a StGB
Heilpraktiker:inErlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz, ggf. beschränkt auf Psychotherapie§ 1 HeilprG
Physiotherapeut:in, Ergotherapeut:inStaatlich geregelte Ausbildung mit Erlaubnis zur Führung der BerufsbezeichnungMasseur- und Physiotherapeutengesetz, Ergotherapeutengesetz
Gut zu wissen

Die Bezeichnung „Psychotherapeut:in“ ist streng geschützt: Wer sie unbefugt führt, macht sich nach § 132a StGB strafbar. Das gilt auch für Bezeichnungen, die ihr zum Verwechseln ähnlich sind. Heilpraktiker:innen für Psychotherapie dürfen Psychotherapie ausüben – sich aber nicht „Psychotherapeut:in“ nennen.

Wenn du wissen möchtest, wie der Weg zur Approbation heute aussieht und welche Alternativen es gibt, lies weiter in Psychotherapeut ohne Studium?

Heilkunde: Entscheidend ist die Tätigkeit

Viel wichtiger als die Frage nach dem Namen ist die Frage, was du tust. Das Heilpraktikergesetz beschreibt Heilkunde als jede berufs- oder gewerbsmäßige Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen. Wer das ohne ärztliche Approbation tun will, braucht eine Erlaubnis.

Für die Psychotherapie präzisiert das Psychotherapeutengesetz: Gemeint ist die Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert. Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, gehören ausdrücklich nicht dazu.

Für die Praxis heißt das:

  • Begleitung ohne Krankheitswert – etwa Beratung bei Beziehungsfragen, Kommunikationsproblemen oder persönlichen Entwicklungswünschen – ist auch ohne Heilerlaubnis möglich.
  • Behandlung mit Krankheitswert – etwa einer Depression, einer Angststörung oder einer sexuellen Funktionsstörung mit deutlichem Leidensdruck – ist Heilkunde und braucht eine Erlaubnis.
  • Die Grenze ist im Einzelfall fließend. Gerade deshalb brauchst du psychopathologisches Grundwissen, um einschätzen zu können, wann du weiterverweisen musst.

Wie sich Beratung, Coaching und Therapie rechtlich unterscheiden, zeigt dir auch der Beitrag Ist Coaching Therapie?

Wer darf sich Heilpraktiker nennen?

„Heilpraktiker:in“ darfst du dich nur nennen, wenn du eine Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz hast. Die Erlaubnis erteilt die zuständige Behörde, meist nach einer Überprüfung durch das Gesundheitsamt. Daneben gibt es die auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkte (sektorale) Erlaubnis, umgangssprachlich oft „kleiner Heilpraktiker“ genannt.

Die Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz nennt unter anderem diese Voraussetzungen:

  1. Mindestalter: Du hast das 25. Lebensjahr vollendet.
  2. Schulbildung: mindestens ein Abschluss, der der früheren Volksschule entspricht (heute in der Regel Hauptschulabschluss).
  3. Zuverlässigkeit und Gesundheit: keine schweren Verfehlungen, gesundheitliche Eignung für den Beruf.
  4. Überprüfung: Das Gesundheitsamt prüft, ob von deiner Tätigkeit eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder deiner Patient:innen ausgehen würde. Für die sektorale Erlaubnis liegt der Schwerpunkt auf Psychopathologie, Diagnostik und Grenzen der eigenen Tätigkeit.

Mit der sektoralen Erlaubnis machst du die Beschränkung in deiner Bezeichnung deutlich, zum Beispiel „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“ oder „Heilpraktiker:in, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie“. Details regeln die Länder teils unterschiedlich – frag im Zweifel bei deinem Gesundheitsamt nach.

Paartherapeut:in und Sexualtherapeut:in

„Paartherapeut:in“ und „Sexualtherapeut:in“ sind in Deutschland keine geschützten Bezeichnungen. Du darfst sie also grundsätzlich auch ohne Studium oder Heilerlaubnis verwenden. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick:

  • Sexualtherapie berührt häufig Heilkunde – etwa wenn Erektionsstörungen, Schmerzen beim Sex oder anhaltende Lustlosigkeit mit deutlichem Leidensdruck behandelt werden. Dann brauchst du eine Heilerlaubnis.
  • Paartherapie zielt oft auf Beziehungskonflikte und fällt dann nicht unter die Psychotherapie im Sinne des Gesetzes. Leidet eine:r der Partner:innen an einer psychischen Störung, sieht das anders aus.
  • Eine Weiterbildung in Paar- und Sexualtherapie gibt dir fachliche Kompetenz, aber keine Heilerlaubnis. Seriöse Anbieter sagen dir das offen.

Welche Aufgaben Sexualtherapeut:innen übernehmen, liest du in Was ist ein Sexualtherapeut? Wie du ohne Studium in die Paar- und Sexualtherapie findest, beschreibt Paartherapeut:in und Sexualtherapeut:in werden ohne Studium. Und warum auch der Begriff „Sexologin“ oft für Verwirrung sorgt, erklärt Sexologin, Sexologe, Sexualtherapeut:in.

Irreführung vermeiden: so stellst du dich vor

Auch eine freie Bezeichnung kann irreführend sein – etwa wenn sie den Eindruck erweckt, du hättest eine Heilerlaubnis, ein Studium oder eine staatliche Anerkennung, die du nicht hast. Im Wettbewerbsrecht kann so etwas als irreführende geschäftliche Handlung abgemahnt werden (§ 5 UWG). Für dich und die Menschen, die zu dir kommen, ist Transparenz ohnehin die bessere Grundlage.

  • Nenne deine tatsächliche Qualifikation: Grundberuf, Weiterbildung, ggf. Heilerlaubnis.
  • Beschreibe dein Angebot konkret: Beratung, Begleitung, Therapie – und für welche Anliegen.
  • Ohne Heilerlaubnis: Mach deutlich, dass du keine Heilkunde ausübst und keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung ersetzt.
  • Kenne deine Grenzen: Verweise weiter, wenn ein Anliegen Krankheitswert hat oder deine Kompetenz übersteigt.
  • Keine Heilversprechen: Versprich keine Ergebnisse, die du nicht seriös zusagen kannst.
Unsere Haltung

Aus unserer Sicht ist eine ehrliche Selbstbeschreibung Teil therapeutischer Haltung. Wer klar sagt, was er kann und was nicht, schafft genau das Vertrauen, das jede tragfähige Begleitung braucht. In unserer Ausbildung gehört deshalb die Auseinandersetzung mit Rolle, Verantwortung und eigenen Grenzen dazu – auch in der Selbsterfahrung.

Was bei Verstößen droht

  • Unbefugtes Führen geschützter Bezeichnungen wie „Psychotherapeut:in“ oder „Ärzt:in“: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe (§ 132a StGB).
  • Ausübung von Heilkunde ohne Erlaubnis: Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe (§ 5 HeilprG).
  • Irreführende Werbung: Abmahnungen und Unterlassungsansprüche nach dem Wettbewerbsrecht.

Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Für deine konkrete Situation wende dich an dein Gesundheitsamt, eine Kammer oder eine Fachanwältin bzw. einen Fachanwalt für Medizinrecht.

Fundiert therapeutisch arbeiten lernen

Unsere zweijährige Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie ist offen für Fachkräfte und für Menschen ohne Studium. Wir sagen dir offen, was der Abschluss bedeutet: fachliche Kompetenz und viel Praxis – aber keine Heilerlaubnis.

  • 36 Ausbildungstage, rund 300 Stunden in Berlin-Schöneberg
  • Kein Studium nötig; Vorerfahrung im therapeutischen Feld ist erwünscht, aber keine Pflicht
  • Viel Praxis: Rollenspiele, eigene Fälle und ab dem zweiten Jahr Probepaare unter Live-Supervision
  • Nächster Start: 15. Dezember 2026

Lieber ortsunabhängig lernen? Schau dir die Online-Ausbildung an. Die Ausbildung ist vom LAGeSo Berlin als berufliche Weiterbildung anerkannt und verleiht keine Heilerlaubnis.

Häufige Fragen

Ist „Therapeut“ ein geschützter Begriff?

Nein. Das Wort „Therapeut“ allein ist in Deutschland nicht geschützt. Geschützt sind bestimmte Berufsbezeichnungen wie „Psychotherapeut:in“, „Ärzt:in“, „Heilpraktiker:in“, „Physiotherapeut:in“ oder „Ergotherapeut:in“.

Darf ich mich ohne Ausbildung Therapeut nennen?

Rechtlich ist das Wort allein nicht verboten. Es darf aber nicht irreführen, und du darfst ohne Erlaubnis keine Heilkunde ausüben. Ohne fundierte Ausbildung ist die Bezeichnung zudem fachlich und ethisch kaum zu rechtfertigen.

Darf sich ein Heilpraktiker für Psychotherapie Psychotherapeut nennen?

Nein. Die Bezeichnung „Psychotherapeut:in“ ist approbierten Psychotherapeut:innen und Ärzt:innen vorbehalten. Heilpraktiker:innen mit sektoraler Erlaubnis nennen sich zum Beispiel „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“.

Ist Sexualtherapeut eine geschützte Berufsbezeichnung?

Nein. „Sexualtherapeut:in“ und „Paartherapeut:in“ sind nicht geschützt. Wer jedoch sexuelle Störungen mit Krankheitswert behandelt, übt Heilkunde aus und braucht dafür eine Heilerlaubnis.

Was ist der Unterschied zwischen Beratung und Heilkunde?

Heilkunde zielt auf die Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten. Beratung begleitet bei Fragen und Konflikten ohne Krankheitswert. Die Grenze ist im Einzelfall fließend; im Zweifel verweist du weiter.

Welche Strafe droht bei unerlaubter Heilkunde?

Nach § 5 Heilpraktikergesetz droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Für das unbefugte Führen geschützter Bezeichnungen wie „Psychotherapeut:in“ gilt nach § 132a StGB derselbe Strafrahmen.

Kurz zusammengefasst
  • „Therapeut“ allein ist nicht geschützt – „Psychotherapeut:in“ dagegen streng.
  • Entscheidend ist die Tätigkeit: Wer Krankheiten behandelt, braucht eine Heilerlaubnis.
  • Paartherapeut:in und Sexualtherapeut:in sind freie Bezeichnungen, dürfen aber nicht irreführen.
  • Stell dich transparent vor: Qualifikation, Angebot, Grenzen.
  • Fachlich fundiert arbeiten lernst du in unserer Ausbildung in Paar- und Sexualtherapie – mit unserem Ansatz der Beziehungsdynamischen Paar- und Sexualtherapie.
Robert A. Coordes

Robert A. Coordes ist Diplom-Psychologe, Sexual- und Paartherapeut, Körperpsychotherapeut und Autor. Er leitet das Institut für Beziehungsdynamik in Berlin. Seit 2012 bildet das Institut Paar- und Sexualtherapeut:innen aus.

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