Was ist sexuelle Gesundheit?

Zwischen sexuellen Störungen & sexueller Gesundheit

Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik beschäftigen uns im Schwerpunkt seit 2006 mit Sexualtherapie, Paartherapie und Beziehungstherapie und damit in der Regel mit der Therapie von sexuellen Problemen und Störungen in Beziehungen und in der Selbstbeziehung.

Zu uns kommen täglich Menschen, die sich selbst als gestört, krank oder eben als in ihrem Sinne nicht funktionierend erleben und beschreiben.

Wenn wir ein Konzept und eine Idee von Störung haben, dann sollten wir uns auch damit beschäftigen, wann man eigentlich sexuell gesund ist. Ist die Abwesenheit von Störung Normalität? Wer entscheidet eigentlich, was eine Störung ist und was normal ist?

Gestört ist, wer sich gestört fühlt

Glücklicherweise müssen wir in unserem Beruf nicht entscheiden, ob jemand gestört oder normal ist. Menschen, die unsere Unterstützung aufsuchen, erleben sich in der Regel als von etwas gestört. Dies ist in der Regel eine sexuelle Problematik, durch die sich Menschen gehindert fühlen, sich mit anderen Menschen intim zu verbinden. Wodurch diese Problematik entsteht und bedingt ist steht auf einem anderen Blatt. Unsere Aufgabe besteht darin, dies mit der betreffenden Person zu erkunden und herauszuarbeiten. Keinesfalls liegt uns die Aufgabe, zu entscheiden wann ein Mensch normal und wann gestört ist.

Außerdem finden sich in den gültigen Klassifikationssystemen wie zum Beispiel ICD 10 oder ICD 11 oder DSM 5 Kriterien, nach denen man Diagnosen vergeben könnte. Alle Problematiken, die darin aufgeführt sind, gelten als behandlungsbedürftig und sind damit anerkannte sexuelle Störungen.

Was ist sexuelle Gesundheit

Sexuelle Funktionsstörungen - ein zeitgemäßer Begriff?

Die beiden bekannten Pioniere der Erforschung sexuelle Problematiken sind William Masters und Virginia Johnson. Beide hatten im Amerika der fünfziger bis siebziger Jahre systematisch unter Laborbedingungen Sexualität und die physiologische Reaktion beim Sex erforscht. Das Ergebnis war die sogenannte Erregungskurve, ein Modell sexueller Reaktion mit vier verschiedenen Phasen: Erregungsphase, Plateauphase, Orgasmusphase und Rückbildungsphase/ Refraktärphase. Die Forschungsergebnisse der beiden gelten auch heute noch als richtungsweisend und erwecken zudem den Anschein, als hätten sie die biologische und physiologische Wirklichkeit abgebildet. Heute noch werden die sogenannten sexuellen Funktionsstörungen den einzelnen Phasen der Erregungskurve nach Masters und Johnson zugeordnet. Erektionsstörungen könnten damit beispielsweise der Erregungsphase zugeordnet werden. Damit ist ein Mann, der diese Störung entwickelt hat, in der Erregungsphase nicht an der normalen Funktion orientiert, also gestört. Das Modell von Masters und Johnson wird mittlerweile recht kritisch beurteilt, dennoch ist es weiterhin weitestgehend kritiklos in Verwendung.

Wir in der beziehungsdynamischen Sexualtherapie und Paartherapie gehen davon aus, dass jede sexuelle Problematik eine Funktion hat. Diese Funktion erschließt sich uns erst dann, wenn wir die Innenwelt eines Menschen kennen und erfahren, welche Bedeutung ein Mensch seiner Sexualität und auch seinen Beziehungen/ Partnerschaften beimisst. Diese Exploration ist Sinn und Zweck unserer Arbeit am Institut für Beziehungsdynamik.

Doch was ist sexuelle Gesundheit?

Doch kommen wir zurück zur Hauptfrage dieses Artikels: Was ist sexuelle Gesundheit? Ist sexuelle Gesundheit die bloße Abwesenheit von sexuellen Störungen?

Für die Weltgesundheitsorganisation WHO ist sexuelle Gesundheit ein wichtiger Aspekt menschlichen Lebens. Die Definition der WHO lautet wie folgt:

„Sexuelle Gesundheit ist untrennbar mit Gesundheit insgesamt, mit Wohlbefinden und Lebensqualität verbunden. Sie ist ein Zustand des körperlichen, emotionalen, mentalen und sozialen Wohlbefindens in Bezug auf die Sexualität und nicht nur das Fehlen von Krankheit, Funktionsstörungen oder Gebrechen. Sexuelle Gesundheit setzt eine positive und respektvolle Haltung zu Sexualität und sexuellen Beziehungen voraus sowie die Möglichkeit, angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, und zwar frei von Zwang, Diskriminierung und Gewalt. Sexuelle Gesundheit lässt sich nur erlangen und erhalten, wenn die sexuellen Rechte aller Menschen geachtet, geschützt und erfüllt werden.“

Sexualität-Kommunikation und Intimität

Für uns in der beziehungsdynamischen Sexualtherapie ist Sexualität eine Möglichkeit der Kommunikation. Der sexuelle Kommunikationskanal kann in einer Beziehung genutzt werden oder auch nicht. Sex ist potenziell eine Möglichkeit größtmöglicher Intimität. Genau hierin sehen wir auch sexuelle Gesundheit begründet: wir sehnen uns üblicherweise nach Intimität, d. h. nach Verbindung mit einem anderen Menschen. Gelingt diese intime Verbindung in der Sexualität, dann würden wir in der beziehungsdynamischen Sexualtherapie von sexueller Gesundheit sprechen.

Sexuelle Gesundheit - Ausdruck und Beweglichkeit

Wir sind ein Körperpsychotherapeutisches Institut und daher stehen für uns Ausdruck und Bewegung im Vordergrund. Oder anders: ohne den Körper einzubeziehen ist für uns Sexualtherapie undenkbar. Die Tiefe oder auch die Qualität sexuellen Erlebens hängt für uns maßgeblich davon ab, ob man seinen Körper bewegen kann und ob man sich in ihm zu Hause erlebt. Sex ist keine Frage der Technik, sondern lebendige Sexualität bezieht seine Befriedigung aus dem eigenen Körpererleben. Aus diesem Grund arbeiten wir in der beziehungsdynamischen Sexualtherapie an der Körperwahrnehmung und dem eigenen Körpererleben. Für uns ist die daraus resultierende Lebendigkeit der Schlüssel zur sexuellen Gesundheit.

Sexuelle Gesundheit - Entwicklung und Selbstverwirklichung

Für uns in der beziehungsdynamischen Sexualtherapie und Paartherapie steht persönliche und partnerschaftliche Entwicklung im Vordergrund. Die Sexualität ist Teil davon und sexuelle Gesundheit beinhaltet für uns, dass auch im sexuellen Bereich Entwicklung und Selbstverwirklichung erfahren werden. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Paare und Einzelne sich immer wieder neue technische und sexuelle Tricks und Kniffe einfallen lassen müssen, sondern dass Partner*innen die tabuisierten Bereiche ihrer Sexualität einbeziehen und explorieren wollen. Unsere Tabus beeinflussen unsere Sexualität maßgeblicher als unsere Konsensaspekte. Diese bewusst wahrzunehmen und gegebenenfalls einzubeziehen, fördert Entwicklung und Selbstverwirklichung. Mit Tabus und Tabubereichen meinen wir hier übrigens nicht ausschließlich sexuelle Tabus. Es kann sich auch um emotionale Tabus handeln, indem vielleicht die eigene Aggressivität oder auch die eigene Hingabefähigkeit aus der Beziehungswirklichkeit ausgeschlossen werden.

Paartherapeut*in oder Sexualtherapeut*in werden? Unsere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten im Überblick

Unsere Ausbildungsmöglichkeiten im Überblick

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