Eine systemische Therapieausbildung ist eine wertvolle Grundlage für angehende Therapeut*innen, die sich auf den Bereich der Sexualtherapie spezialisieren möchten. In Berlin bietet wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik eine umfassende Sexualtherapie-Ausbildung an, die beide Verfahren oder Disziplinen effektiv miteinander verknüpft. Dieser Beitrag beleuchtet die Bedeutung der systemischen Konzepte in der Sexualtherapie und zeigt, wie eine fundierte Ausbildung in beiden Bereichen zu einem tieferen Verständnis und einer effektiveren Praxis führt.
Viele der Teilnehmer*innen unserer Aus- und Weiterbildungen fragen uns, was sie darin weiterhin unterstützen kann, die eigenen therapeutischen, auch sexualtherapeutischen Fähigkeiten zu vertiefen und mehr Sicherheit zu gewinnen. In unseren Aus- und Weiterbildungen in Beziehungsdynamischer Paartherapie und Sexualtherapie vermitteln wir fundierte sexualtherapeutische Vorgehensweisen und Kompetenzen und diese reichen vielen Absolvent*innen, um im Anschluss eine Praxistätigkeit als Sexualtherapeut*in oder Paartherapeut*in zu begründen. Dennoch ist eine Systemische Therapie Ausbildung durchaus förderlich und kann die erlebte Sicherheit im kommunikativen Therapiealltag verbessern.
Ich, Robert A. Coordes, bin sowohl als Instituts- und Ausbildungsleiter in unseren eigenen Sexualtherapieausbildungen tätig, als auch als Trainer im Rahmen von systemischen Therapie Ausbildungen anderer Institute bundesweit. Meine eigene systemische Therapie Ausbildung habe ich in Heidelberg am Helm-Stierlin-Institut absolviert. Daher bin ich mit den Grundlagen entsprechender Aus- und Weiterbildungsangebote in systemischer Therapie vertraut.
Hier ein paar grundlegende Worte zur systemischen Therapie. Die systemische Therapie ist ein psychotherapeutischer Ansatz, der den Fokus auf die Interaktionen und Beziehungen zwischen den Mitgliedern eines Systems legt, anstatt das Individuum isoliert zu betrachten. Ein System kann dabei eine Familie, eine Partnerschaft oder jede andere Gruppe von Menschen sein, die in einer wechselseitigen Beziehung zueinanderstehen.
Die systemische Therapie basiert auf der Vorstellung, dass psychische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten nicht allein im Individuum entstehen, sondern in einem komplexen Zusammenspiel von Interaktionen und Beziehungen innerhalb des sozialen Umfelds. Diese Therapiemethode wurde maßgeblich durch die Arbeiten von Gregory Bateson und der Palo-Alto-Gruppe geprägt und hat sich seit den 1950er Jahren kontinuierlich weiterentwickelt.
Besonders in der Sexualtherapie ist der systemische Ansatz von großem Nutzen. Sexualität ist tief in die Beziehungsmuster und die persönliche Geschichte einer Person eingebettet. Unsere Sexualität entsteht in Beziehungskonstellationen und unsere Prägungen und Neigungen sind Ergebnis unserer Sozialisation und psychischen Entwicklung.
Die systemische Perspektive vermittelt ein Verständnis der komplexen Dynamiken und Einflüsse, die sexuelle Probleme verursachen oder verstärken. Dies kann besonders hilfreich sein bei Paaren, die mit sexuellen Dysfunktionen oder Differenzen in ihrem Sexualleben zu kämpfen haben. Systemische Konzepte helfen dabei, die Beziehungsmuster zu identifizieren, die möglicherweise zu diesen Problemen beitragen.
Wissenschaftliche Studien, wie die von Johnson et al. (2013) zur Wirksamkeit systemischer Therapie in der Behandlung von Paaren mit sexuellen Problemen, haben gezeigt, dass ein systemischer Ansatz signifikante Verbesserungen in der Paarzufriedenheit und sexuellen Funktion bringen kann. Weitere Forschungen, wie die von Metz und McCarthy (2007), unterstreichen die Bedeutung eines integrativen Ansatzes, der sowohl psychotherapeutische als auch systemische Elemente beinhaltet.
Ein konkretes Beispiel für die Anwendung systemischer Konzepte in der Sexualtherapie ist die Arbeit mit Paaren, die mit sexuellen Dysfunktionen konfrontiert sind. Ein systemischer Therapeut wird nicht nur die Symptome betrachten, sondern auch die Beziehungsmuster und Kommunikationsstile, die zur Aufrechterhaltung dieser Probleme beitragen könnten.
Ein weiteres Beispiel ist die Behandlung von Einzelpersonen, die unter sexuellen Störungen wie Libidoverlust oder sexueller Aversion leiden. Hier kann der systemische Ansatz helfen, die tieferliegenden emotionalen und relationalen Faktoren zu identifizieren, die zu diesen Problemen führen. Dies kann beinhalten, frühere traumatische Erlebnisse, gegenwärtige Beziehungsprobleme oder kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse zu explorieren.
Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik haben seit unserer Gründung in 2006 unseren eigenen sexualtherapeutischen Ansatz, die Beziehungsdynamische Paar- und Sexualtherapie entwickelt, die verschiedene psychotherapeutische Konzepte und auch systemische Perspektiven und Methoden integriert. Wir legen den zentralen Fokus auf die dynamischen Austauschprozesse innerhalb von Beziehungen und gehen davon aus, dass sexuelle Problematiken oftmals eine kommunikative Funktion innerhalb von Beziehungen haben, die es zu würdigen und anzuhören gilt.
Wie in der systemischen Therapie ist in der Ausbildung am Berliner Institut für Beziehungsdynamik Supervision von zentraler Bedeutung. Die ermöglicht es den Teilnehmer*innen, ihre Fähigkeiten in der Praxis zu erproben und zu verfeinern. Durch die Arbeit an realen Fällen unter Anleitung können die angehenden Therapeut*innen wertvolle Erfahrungen sammeln und ihr Verständnis für die komplexen Dynamiken in der Sexualtherapie vertiefen.
Sowohl wir am Institut für Beziehungsdynamik als auch systemische Ausbildungsinstitute vermitteln spezifische Techniken und Ansätze für die Arbeit mit Paaren und Familien und ein Verständnis der Dynamiken und Herausforderungen in familiären und partnerschaftlichen Beziehungen.
Wir am Institut für Beziehungsdynamik gehen allerdings in der paar- und einzeltherapeutischen Umsetzung eher differenzierungsbasiert (gemäß dem Konzept der Differenzierung nach David Schnarch) vor. Uns geht es weniger um die direkte Stärkung innerpsychischer Ressourcen als vielmehr darum, dass durch den Sprung in die eigene Unsicherheit das Selbstwirksamkeitserleben stärkt.
Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik legen, wie viele systemische Ausbildungsinstitute, großen Wert auf eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Die Inhalte unserer Ausbildung basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen und bewährten Methoden.
In der Sexualtherapie werden oft die Disziplinen der Psychotherapie und der Sexualtherapie getrennt betrachtet. Einige Menschen gehen davon aus, dass Sexualtherapie hauptsächlich Übungen und körperliche Anwendungen beinhaltet. Am Berliner Institut für Beziehungsdynamik sind wir jedoch der Meinung, dass sich in Sexstörungen Beziehungsmuster und verinnerlichte, psychotherapeutisch relevante Muster wiederfinden. Daher verfolgen wir einen stark systemischen Ansatz. Unsere therapeutische Arbeit konzentriert sich auf die Analyse und Veränderung dieser Muster, um eine tiefgreifende und nachhaltige Verbesserung der sexuellen Gesundheit und Beziehungsdynamik zu erreichen.
Im Folgenden sollen einige Inhalte einer systemische Therapie Ausbildung vorgestellt und skizziert werden. Unsere Ausbildungsinhalte und entsprechende Informationen zu einer Sexualtherapie-Ausbildung am Berliner Institut für Beziehungsdynamik finden sich hier auf unserer Seite.
Die Grundlagen einer Ausbildung in systemischer Therapie umfassen eine Vielzahl von theoretischen und praktischen Aspekten, die dazu beitragen, ein tiefes Verständnis für die Dynamiken innerhalb von Systemen und die Fähigkeiten zur effektiven therapeutischen Arbeit zu entwickeln. Hier sind die wesentlichen Bestandteile einer solchen systemische Therapie Ausbildung:
Die Ausbildung systemische Therapie beginnt oft mit einer Einführung in die Systemtheorie, die die Grundlagen dafür legt, wie Systeme (Familien, Organisationen, Gruppen) funktionieren. Zudem werden Konzepte wie Rückkopplungsschleifen, Zirkularität und Homöostase werden erläutert.
Die Bedeutung der Kommunikation in sozialen Systemen wird untersucht, einschließlich der Arbeiten von Paul Watzlawick und der Palo-Alto-Gruppe (Kommunikationstheorie). Es wird gelehrt, wie Kommunikationsmuster innerhalb eines Systems Probleme verursachen oder aufrechterhalten können. Darüber hinaus werden im Rahmen der theoretischen Grundlagen in einer systemischen Therapie Ausbildung oft verschiedene systemische Modelle und Schulen (z.B. strukturelle, strategische, narrative, lösungsorientierte Therapie) vorgestellt und verglichen.
Einige Ausbildungsinstitute für systemische Therapie legen einen starken Fokus auf die Arbeit mit Genogrammen, einem Werkzeug zur visuellen Darstellung und Analyse von Familienbeziehungen und -mustern über mehrere Generationen hinweg. Dieses Instrument hilft, wiederkehrende Muster, Konflikte und Beziehungsmuster zu identifizieren. Weitere bekannte Herangehensweisen und Methoden in der systemischen Therapie sind Hypothesenbildung und Zirkuläres Fragen. Damit die Fähigkeit, Hypothesen über die Funktionsweise eines Systems zu entwickeln und diese durch gezielte Fragestellungen zu überprüfen. Zirkuläres Fragen ist eine Technik, die hilft, die Perspektiven und Dynamiken innerhalb des Systems zu verstehen. Zirkuläre Fragen werden auch oft als systemische Fragen bezeichnet. Reframing und Perspektivenwechsel und damit Techniken, um Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und dadurch neue Lösungsmöglichkeiten zu entdecken. Weitere systemische Interventionen, die in einer Ausbildung zum systemischen Therapeuten/ systemischen Therapeutin vermittelt werden, sind z.b. das Arbeiten mit Metaphern, das Einsetzen von Ritualen und die Nutzung von paradoxer Intervention.
Das Üben von therapeutischen Techniken und Interventionen in kontrollierten Umgebungen, um praktische Fähigkeiten zu entwickeln und zu verfeinern, zählt zum Standard in systemischen Ausbildungen. Hinzu kommen Analyse und Diskussion von realen Fällen, um ein tieferes Verständnis für die Anwendung systemischer Konzepte in der Praxis zu entwickeln. Regelmäßige Supervision durch erfahrene Therapeuten dienen dazu, um Feedback und Unterstützung zu erhalten und die Reflexion über die eigene Praxis und Entwicklung als Therapeut zu vertiefen.
Wie auch in der Beziehungsdynamischen Paartherapie und Sexualtherapie wird in systemische Therapie Ausbildungen die Bedeutung von Selbsterfahrung und kontinuierlicher persönlicher Entwicklung betont. Es geht auch um die Arbeit an der eigenen Haltung und den eigenen Mustern, um als Therapeut authentisch und effektiv arbeiten zu können.
Die Ausbildung in systemischer Therapie zielt darauf ab, Therapeut*innen zu befähigen, komplexe soziale und psychologische Dynamiken zu verstehen und effektive Interventionen zu entwickeln. Die Verbindung von theoretischem Wissen, praktischen Fähigkeiten, persönlicher Reflexion und kontinuierlicher Weiterbildung stellt sicher, dass die Absolventen gut vorbereitet sind, um in verschiedenen Kontexten und mit unterschiedlichen Klientengruppen erfolgreich zu arbeiten.
Eine systemische Therapieausbildung bietet eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Karriere in der Sexualtherapie. Es werden umfangreiche kommunikative Kompetenzen vermittelt und eingeübt. Auch kann eine systemische Ausbildung nach unserer Ausbildung in Beziehungsdynamischer Paar- und Sexualtherapie hilfreich sein, um anzuknüpfen und die eigenen kommunikativen Fertigkeiten zu vertiefen und zu schärfen. Unsere Ausbildung fokussiert ausschließlich auf sexuelle und partnerschaftliche Themen und Problemfelder und vermittelt entsprechende Sichtweisen, die so in systemischen Ausbildungen keine Vermittlung finden. Zudem beziehen wir als körperpsychotherapeutisches Institut in zentraler Weise den Körper ein.
Die Auflistung der Ausbildungsinhalte basiert auf allgemeinen Prinzipien und Inhalten, die typischerweise in Ausbildungen zur systemischen Therapie vermittelt werden. Die Informationen stammen aus verschiedenen Quellen, darunter Lehrpläne und Beschreibungen von Ausbildungsprogrammen, Fachbüchern zur systemischen Therapie sowie Veröffentlichungen von Fachverbänden.
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF):
Die DGSF bietet Richtlinien und Standards für die Ausbildung in systemischer Therapie und Beratung. Ihre Website und Publikationen enthalten detaillierte Informationen zu den Ausbildungsinhalten und -anforderungen.
Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (SG):
Ähnlich wie die DGSF bietet auch die SG, der zweite große Dachverband in Deutschland, umfassende Informationen zu den Grundlagen und Anforderungen an eine Ausbildung in systemischer Therapie.
Weitere Quellen aus diesem Artikel
Johnson, S. M., et al. (2013). The Science of Couple Therapy: A Therapist’s Guide. Routledge.