Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung - Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung – Wie unterscheiden sich diese Felder? Worin genau liegen die Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten lassen sich feststellen?

Den meisten Menschen sind die Unterschiede zwischen Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung nicht klar. Wie auch? Schließlich handelt es sich bei den Feldern und inhaltlichen Fragestellungen, die sich hinter den Begriffen Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung verbergen, um sehr junge Felder. Alle widmen sich der menschlichen Sexualität und wollen diese beeinflussen bzw. verändern. Wie sie dies zu tun beabsichtigen – darin liegen ihre maßgeblichen Unterschiede.

Sexualtherapie ist die Psychotherapie sexueller Störungen

Sexualtherapie möchte ich hier als die Psychotherapie sexueller Störungen bzw. sogenannter sexueller Funktionsstörungen bezeichnen. Hierbei ist wichtig nachzuvollziehen, wie Menschen in Psychotherapie kommen bzw. wann ein Mensch eine Sexualtherapie aufsucht und Unterstützung in Anspruch nimmt. Auslösend ist hier zumeist eine aktuelle oder akut belastende Krisensituation. Diese Krisensituation kann sich im externen Kontakt oder im internen Kontakt zeigen. So kann es zum Beispiel sein, dass eine Frau lange Zeit mit Vaginismus muss gelebt hat, als allerdings ein Kinderwunsch innerhalb ihrer Beziehung aufkommt, erscheint dieses Problem plötzlich als besondere Belastung. Hierdurch ausgelöst sucht diese fiktive Frau dann eine Sexualtherapie auf.

Die systemische Sicht auf das Thema Krise zeigt sich hier als hilfreich: Eine Krise bzw. ein Problem zeigt uns, dass unser Weltmodell, also unser inneres Abbild/ unsere Landkarte, nicht zur Wirklichkeit passt. Wir ecken also an, weil unsere Vorstellungen dysfunktional sind. In Sexualtherapie fokussieren wir demnach auf eben dieses Weltmodell bzw. auf diese sexuelle Landkarte, die als Grundlage für die Beziehungsgestaltung wirkt.

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung - Psychotherapie sexueller Störungen

Sexualpädagogik ist pädagogische Arbeit

Sexualpädagogik oder manchmal auch „Geschlechtserziehung“ genannt beschäftigt sich mit Fragen zu körperlicher Entwicklung, Liebe, Gefühlen, Fortpflanzung, Erotik und allen Formen der Sexualität, sexueller Lust, Selbstbefriedigung sowie zum Erwachsenwerden. Sexualpädagogik vermittelt Sichtweisen, lädt zur Reflexion ein und unterstützt damit die Persönlichkeitsentwicklung vornehmlich von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden. Sexualpädagogik beeinflusst Werthaltungen und will dabei (zumeist) Erlaubnis geben für Einzigartigkeit, Inklusion und Vielfalt. Wertschätzende und fundierte Sexualpädagogik fördert ein solides Fundament zur Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. In diesem Sinne sollte Sexualpädagogik auch für Unterschiedlichkeit sensibilisieren und dafür werben, Menschen, die sich außerhalb einer vermeintlichen gesellschaftlichen Norm bewegen und erleben einzubeziehen. Sexualpädagog*innen sind überwiegend in Kitas, Sozialverbänden und Schulen tätig.

Sexualberatung eröffnet Lernräume, gibt Impulse und Hinweise und zeigt Lösungsschritte auf

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung

Der unklarste Begriff ist wohl der der Sexualberatung. Zum einen versteht man unter Beratung ein kommunikatives Setting, innerhalb dessen einem Menschen Lösungen offeriert werden. Will man sich beispielsweise in Bezug auf Vergütungsmethoden und -Techniken beraten lassen, dann erwartet man schließlich Hinweise und Empfehlungen in Richtung der besten Lösung. Eine Beratung, wie auch eine Sexualberatung, sollte bedarfsgerecht sein und dementsprechend der Lebenssituation und der individuellen Problematik des/ der zu Beratenden entsprechen. Eine Person, die berät, sollte möglichst einen Wissensvorsprung haben. Nur sehr ungern würde man sich sicherlich gerade bei eigener Unsicherheit von einer noch unsicheren Person beispielsweise in Bezug auf die passende Verhütungsmethode beraten lassen.

Unklar wird die Begriffsdefinition vor allem dadurch, dass die Beschreibung Sexualberatung oftmals von Menschen gewählt wird, die rechtlich nicht dazu legitimiert sind, ihre Leistungen Sexualtherapie zu nennen. Schließlich benötigt man in Deutschland, will man Therapie und dabei auch Sexualtherapie anbieten, eine sogenannte Heilerlaubnis. Kann man diese in Form einer Approbation oder eines Heilpraktikerscheins nicht nachweisen, dann bleibt einem die Möglichkeit, die eigene Leistung Sexualberatung oder auch Sexualcoaching zu nennen.

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung - Gemeinsamkeiten

Doch was sind nun die Gemeinsamkeiten von Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung? Alle drei Schwerpunkte widmen sich der sexuellen Entwicklung und versuchen diese möglichst hilfreich und in positiver Weise zu beeinflussen. Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung sind nicht trennscharf zu betrachten. Sie greifen ineinander und eigentlich bedienen sie sich üblicherweise ähnlicher Werkzeuge, wenn auch in anderer Schwerpunktlegung und im anderen Mischverhältnis. Jede Sexualtherapie enthält auch psychoedukative Aspekte und Elemente und vermittelt auch in gewisser Weise eine Werthaltung, die als förderlich gesehen und erlebt wird.

Jede Sexualpädagogik gibt Erlaubnis für tabuisierte innere Aspekte und Persönlichkeitsanteile und wirkt damit begrenzten Maße auch sexualtherapeutisch. Und eine professionelle Sexualberatung erfordert immer auch den Fokus auf das Persönliche und auf den individuellen Bedarf des Kunden/ der Kundin. Damit geht eine Sexualberatung immer auch mit einer Auftragsklärung einher, die dazu geeignet ist, dass der Klient/ die Klientin sich selbst besser kennenlernen kann.

Trauma und Sexualität - Video

auf unserem Youtube-Kanal finden sich einige Videos zu den Themen Trauma, Sexualität, sexuelle Störungen und Paartherapie/ Sexualtherapie

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung - Unterschiede

Und die Unterschiede? Wie kann man diese in Bezug auf Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung fassen? Ich finde entscheidend, dass sich Sexualtherapie mit dem verinnerlichten und zumeist ambivalenten Weltbild eines Menschen auseinandersetzt. Wir fragen hier nicht nach „richtig“ versus „falsch“, sondern vielmehr nach Auswirkungen innerhalb des sexuellen und partnerschaftlichen Lebens und Erlebens. Sexualtherapie sollte möglichst wertfrei vorgehen und Menschen damit ermöglichen, die eigenen inneren Wertungen und Bewertungen zu erkennen. In der beziehungsdynamischen Sexualtherapie fokussieren wir überwiegend auf die Schattenaspekte, also diejenigen Bereiche der Persönlichkeit, die Menschen an sich selbst nicht mögen und daher zumeist verbergen wollen. Sexualtherapie beschäftigt sich somit mit der Sozialisation und mit den Schattenaspekten der sozialisierten, inneren Wirklichkeit.

Sexualpädagogik hingegen sollte Einfluss auf die Sozialisation nehmen und diese in positiver, heißt befähigender Weise beeinflussen. Hier geht es eher um Wertevermittlung als um die Exploration verinnerlichte Werte, wie im Bereich der Sexualtherapie.

Sexualberatung, solange sie nicht bloßes Label ist, um den Begriff Sexualtherapie zu vermeiden, sollte konkrete Informationen liefern können und Methoden sowie Übungen bereitstellen, die Menschen in Lösungsrichtung unterstützen. Sexualberatung sollte Gestaltungsspielraum schaffen, enge Räume weiten und Sicherheit fördern. Dazu bedient sich Sexualberatung einer gewissen fachlich-inhaltlichen Expertise, die man im Bereich von Sexualtherapie nicht unbedingt braucht.

Weitere verwandte Begriffe zu Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung

Sexualtherapie, Sexualpädagogik und Sexualberatung - weitere Begriffe

in einigen Kontexten und Kreisen finden Begriffe wie Sexualpsychologie, Sexualmedizin, Sexualwissenschaft, Sexologie oder auch Sexuologie Verwendung. Oft fällt es gar nicht so einfach, diese Begriffe zu differenzieren. Hier ein Versuch:

Sexualmedizin bezeichnet die medizinische Auseinandersetzung mit menschlicher Sexualität und sexuellen Störungen/ Funktionsstörungen. Hierbei geht es vornehmlich um die physiologische und organische Seite, obwohl auch psychologische Aspekte einbezogen werden. Grundlegendes Paradigma ist hierbei die Bio-psycho-soziale Perspektive auf sexuelle Funktionsstörungen.

Sexualwissenschaft wird nicht selten synonym mit Sexologie verwendet. Ich will den Begriff der Sexualwissenschaft definieren als wissenschaftliche Auseinandersetzung mit menschlicher Sexualität und ihren Formen und Erscheinungen. Der praktische Arm dabei ist die Sexualforschung. Zugleich bildet die Sexualwissenschaft/ die Sexualwissenschaften die Oberkategorie und subsummiert Sexualpsychologie und Sexualmedizin.

Sexualpsychologie fokussiert im Gegensatz zur Sexualmedizin überwiegend auf die psychologischen Aspekte von sexuellen Störungen, sexuellen Funktionsstörungen und anderen Problematiken menschlicher Sexualität. Auch einen salutogenen Fokus würde ich potenziell der Sexualpsychologie zurechnen, auch wenn über den Zusammenhang zwischen Gesundheit und Sexualität recht wenig geforscht wird.

Sexologie oder auch manchmal Sexuologie geschrieben wird manchmal ähnlich wie Sexualwissenschaft verwendet und manchmal eher so, als würde der Begriff das gleiche bedeuten wie Sexualtherapie. Ich würde Sexologie übersetzen als die „Lehre von der Sexualität“. Somit würde der Begriff ähnlich verwendet wie Sexualwissenschaft, also als Oberbegriff.

Beziehungsdynamische Sexualtherapie

wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik haben seit 2006 einen eigenen sexualtherapeutischen Ansatz entwickelt, die Beziehungsdynamischen Sexualtherapie. Auf dieser Seite finden Sie verschiedene Ausbildungsangebote im Bereich Paartherapie, Sexualtherapie und Körperpsychotherapie am Berliner Institut für Beziehungsdynamik.

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