Welcher Bedarf besteht an Sexualtherapie und sexualtherapeutischen Angeboten?

Bedarf an Sexualtherapie

Wir am Berliner Institut für Beziehungsdynamik bilden seit vielen Jahren Paartherapeut*innen und Sexualtherapeut*innen aus und weiter. Unsere Angebote in Präsenz oder auch Online finden Sie hier auf unserer Website.

Prävalenz sexueller Störungen

Sexuelle Dysfunktionen sind weit verbreitet und betreffen eine erhebliche Anzahl von Menschen weltweit. Eine umfassende Studie aus dem Jahr 2020 ergab, dass 43% der befragten Männer und 49% der Frauen in den letzten 12 Monaten mindestens ein sexuelles Problem erlebt haben, jedoch weniger als 20% davon medizinische oder psychotherapeutische Hilfe suchten. Diese Zahlen unterstreichen die weitreichende Natur sexueller Dysfunktionen und die Notwendigkeit eines verbesserten Zugangs zu Sexualtherapie und -beratung.

Zum Unterschied zwischen Sexualtherapie und Sexualberatung finden Sie hier einen weiteren Blogbeitrag auf unserer Seite.

Deutsche Studien zur Prävalenz sexueller Störungen

In Deutschland liefert die GeSiD-Studie (Gesundheit und Sexualität in Deutschland) umfassende und repräsentative Daten zur sexuellen Gesundheit. Diese Studie, die zwischen 2018 und 2019 durchgeführt wurde, befragte 4.955 Erwachsene zu ihren sexuellen Erfahrungen, Beziehungen und Einstellungen. Die Ergebnisse zeigen, dass sexuelle Dysfunktionen weit verbreitet sind und dass viele Betroffene keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Beispielsweise zeigte die GeSiD-Studie, dass etwa 40% der Frauen und 20% der Männer unter sexuellen Funktionsstörungen leiden (GeSiD).

Wie hoch ist der Bedarf an Sexualtherapie in Deutschland?

Hierzu sind uns keine expliziten Studien bekannt. Um den Bedarf an Sexualtherapeuten in Deutschland zu beleuchten, können wir uns auf vorhandene Studien und Berichte beziehen, die die Prävalenz sexueller Dysfunktionen und die Inanspruchnahme von Sexualtherapie untersuchen. Die oben zitierte GeSiD-Studie liefert hierzu wichtige Einblicke. Das Studienergebnis deutet auf einen hohen Bedarf an spezialisierten Therapeut*innen hin. Die Erkenntnis, dass viele Betroffene keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, zeigt, dass es potenziell eine große Zahl von Menschen gibt, die von einer verbesserten Versorgung durch Sexualtherapeuten profitieren könnten.

Auch ein Bericht im Deutschen Ärzteblatt zur Versorgungssituation und zum Bedarf an Sexualtherapeuten hebt hervor, dass sexuelle Dysfunktionen häufig unterdiagnostiziert und unterbehandelt sind, was auf einen Mangel an spezialisierten Therapeuten und eine unzureichende Aufklärung hinweist. Der Bericht betont die Notwendigkeit, die medizinische und therapeutische Ausbildung zu erweitern, um den steigenden Bedarf an Sexualtherapie zu decken.

Schlussfolgerung – Bedarf an Sexualtherapie

Der Bedarf an Sexualtherapeuten in Deutschland ist hoch, wie durch die GeSiD-Studie und andere Berichte belegt wird. Die Prävalenz sexueller Dysfunktionen und die Unterversorgung in diesem Bereich deuten darauf hin, dass mehr spezialisierte Fachkräfte benötigt werden, um die gesundheitlichen und psychosozialen Bedürfnisse der Bevölkerung angemessen zu adressieren. Um diesen Bedarf zu decken, sind verstärkte Ausbildungs- und Weiterbildungsmaßnahmen sowie eine verbesserte öffentliche Aufklärung erforderlich.

Sexualtherapie Bedarf Deutschland

Welche sexuellen Dysfunktionen gibt es?

In diesem Kapitel wollen wir vorstellen, welche sexuellen Dysfunktionen es gibt und wie häufig diese vorkommen. Dadurch wird auch aufgezeigt, was die Hauptthemen sind, mit denen Sexualtherapeuten arbeiten. Zu den häufigsten sexuellen Dysfunktionen gehören:

  1. Erektionsstörungen (ED): Laut der Massachusetts Male Aging Study liegt die Prävalenz von ED bei Männern im Alter von 40 bis 70 Jahren bei etwa 52%. Dies zeigt, dass ED eine weitverbreitete Herausforderung darstellt, die oft unbehandelt bleibt. Hier zeigt sich ein deutlicher Bedarf an Sexualtherapie.
  2. Frühzeitige Ejakulation (PE): Die National Health and Social Life Survey berichtet, dass etwa 31% der Männer im Alter von 18 bis 59 Jahren PE erleben. Andere Studien bestätigen diese hohen Prävalenzraten, obwohl die Anzahl derjenigen, die medizinische Hilfe suchen, relativ gering bleibt. Viele Berichte und Quellen zur Frühzeitigen Ejakulation finden sich im Buch „Lust statt Frust“ von Robert A. Coordes.
  3. Weibliche sexuelle Dysfunktionen: Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass 53% der Frauen mit hypoaktivem sexuellem Verlangen professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollten, aber nur ein Teil tatsächlich Hilfe suchte. Quelle; PLOS ONE: „Who seeks sex therapy? Sexual dysfunction prevalence and correlates, and help-seeking among clinical and community samples“ (PLOS).
  4. Andere Störungen: Zu weiteren häufigen Problemen zählen verzögerte Ejakulation, Anorgasmie und sexuelle Schmerzstörungen. Beispielsweise berichteten in einer Studie 8% der Männer von Schwierigkeiten, im letzten Jahr einen Orgasmus zu erreichen. Quelle: Uroweb: „EPIDEMIOLOGY AND PREVALENCE OF SEXUAL DYSFUNCTION AND DISORDERS OF MALE REPRODUCTIVE HEALTH“ (Uroweb – European Association of Urology).

Psychosoziale Auswirkungen

Sexuelle Dysfunktionen haben tiefgreifende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden und die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen. Studien zeigen, dass es starke wechselseitige Zusammenhänge zwischen sexueller Dysfunktion, Beziehungszufriedenheit und psychischem Stress gibt. Personen mit niedriger sexueller Funktion berichten häufig über Unzufriedenheit in ihren Beziehungen und erleben erhöhte psychische Belastungen.

Sexuelle Unzufriedenheit kann nicht nur zu persönlichen Frustrationen führen, sondern auch Beziehungen belasten und zu Trennungen oder Scheidungen führen. Menschen, die unter sexuellen Dysfunktionen leiden, berichten oft über ein geringeres Selbstwertgefühl und erhöhte Angstzustände. Die psychologischen Auswirkungen können ebenso tiefgreifend sein wie die physischen Symptome und erfordern daher eine umfassende Behandlung, die sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt.

Barrieren und Bedarf an Sexualtherapie

Trotz der hohen Prävalenz sexueller Dysfunktionen bleibt die Inanspruchnahme von Sexualtherapie relativ gering. Dies belegen einige Studien. Es gibt mehrere Gründe dafür, einschließlich:

  • Stigmatisierung und Scham: Viele Menschen zögern, Hilfe zu suchen, weil sie sexuelle Probleme als peinlich oder tabu betrachten. Diese Stigmatisierung kann dazu führen, dass viele Menschen ihre Probleme ignorieren oder versuchen, sie alleine zu bewältigen, was oft zu einer Verschlimmerung der Symptome führt.
  • Unzureichende Aufklärung:  Eine erhebliche Anzahl von Menschen erkennt nicht, dass ihre Probleme behandelbar sind, oder sie sind sich der verfügbaren Behandlungsoptionen nicht bewusst. Aufklärungskampagnen und eine bessere Information durch Gesundheitsdienstleister könnten hier Abhilfe schaffen.
  • Zugang zu sexualtherapeutischen Dienstleistungen: Strukturelle Barrieren wie Kosten, Wartezeiten und geografische Entfernung können den Zugang zu Sexualtherapie einschränken. Beispielsweise berichtete eine Schweizer Studie, dass nur 8% der Gynäkologen routinemäßig sexuelle Gesundheitsfragen mit ihren Patienten besprechen. Diese Barrieren führen dazu, dass viele Menschen, die Hilfe benötigen, diese nicht erhalten.

Die Rolle der Gesundheitsdienstleister

Gesundheitsdienstleister spielen eine entscheidende Rolle bei der Identifizierung und Behandlung sexueller Dysfunktionen. Es ist wichtig, dass Ärzt*innen und Therapeut*innen sexuelle Gesundheitsfragen in ihre Routineuntersuchungen integrieren und eine offene und nicht wertende Atmosphäre schaffen, in der Patient*innen sich wohl fühlen, über ihre sexuellen Probleme zu sprechen. Fortbildungen und Schulungen für Gesundheitsdienstleister können dazu beitragen, die Sensibilität und das Wissen in diesem Bereich zu verbessern.

Oft fungieren die Gesundheitsdienstleister also als Schnittstellen – darüber hinaus zeigt sich ein großer Bedarf an Sexualtherapie bzw. an Personen, die sexualtherapeutische Ansätze in ihre psychotherapeutische Tätigkeit integrieren.

Der große Bedarf an qualifizierten Sexualtherapeuten spiegelt die Bedeutung dieses Fachgebiets für die psychische und körperliche Gesundheit wider. Die Einrichtung spezialisierter Studiengänge oder Weiterbildungen ist ein wichtiger Schritt, um mehr Fachkräfte auszubilden und die Versorgungslücke zu schließen.

Sexualtherapie Seminare für Gesundheitsdienstleister

Unsere Weiterbildungen am Institut für Beziehungsdynamik

Unsere Weiterbildungen am Institut für Beziehungsdynamik tragen maßgeblich dazu bei, dem hohen Bedarf an qualifizierten Sexualtherapeuten gerecht zu werden. Durch unsere spezialisierten Ausbildungsprogramme bieten wir umfassende Schulungen und praxisnahe Fortbildungen an, die darauf abzielen, Fachkräfte im Bereich Sexualtherapie zu qualifizieren und deren Wissen und Fähigkeiten zu erweitern. Unsere Programme umfassen theoretische Schulungen, praxisorientierte Workshops und Supervisionen, die sicherstellen, dass unsere Absolventen bestens auf die vielfältigen Herausforderungen in der Sexualtherapie vorbereitet sind.

Bedarf an sexualtherapeutischen Behandlungsansätzen

Die Behandlung sexueller Dysfunktionen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl physiologische, soziale als auch psychologische Aspekte berücksichtigt. Moderne Sexualtherapie umfasst eine konsistente und systemische Perspektive auf sexuelle Problematiken, sowie praxisnahe Methoden und Techniken. Für uns am Institut für Beziehungsdynamik sind Paartherapie und Sexualtherapie nicht zu trennen. Für uns beinhalten sexuelle Störungen zumeist kommunikative Botschaften, die es zu würdigen gilt.

Beziehungsdynamische Paartherapie und Sexualtherapie fokussiert auf die tabuisierten Aspekte der partnerschaftlichen Kommunikation. Ziel ist, Verbesserungen der sexuellen Gesundheit und des allgemeinen Wohlbefindens erzielt werden.

Berufsperspektiven als Sexualtherapeutt*in

Wie sind die Zukunftsperspektiven als Sexualtherapeut*in?

Grundlegend ist voranzustellen, dass Sexualtherapie eine sehr junge Disziplin innerhalb der Psychotherapie ist. Die Zukunft der Sexualtherapie sieht allerdings vielversprechend aus, da immer mehr Menschen die Bedeutung sexueller Gesundheit erkennen und bereit sind, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Forschung und Innovation in diesem Bereich führen zu neuen und effektiveren Behandlungsmethoden. Technologische Fortschritte, wie Telemedizin und Online-Beratung, können dazu beitragen, den Zugang zu Sexualtherapie zu verbessern und Barrieren abzubauen.

Fazit

Die Forschung zeigt eindeutig, dass der Bedarf an Sexualtherapie erheblich ist und wächst. Die hohe Prävalenz sexueller Dysfunktionen und die erheblichen psychosozialen Auswirkungen unterstreichen die Notwendigkeit einer verbesserten Aufklärung und des Zugangs zu therapeutischen Dienstleistungen. Eine stärkere Integration sexueller Gesundheitsfragen in die allgemeine medizinische Versorgung und gezielte öffentliche Gesundheitskampagnen könnten dazu beitragen, die Barrieren für die Inanspruchnahme von Sexualtherapie zu verringern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.

Quellen zum Bedarf an Sexualtherapie