sexuelle Funktionsstörungen Seminar

Die zweijährige Weiterbildung

Hier wird das dritte Seminar unserer zweijährigen Weiterbildung in Beziehungsdynamischer Paartherapie und Sexualtherapie beschrieben. Es ist nicht möglich, dieses Seminar separat zu buchen, denn es ist Teil eines geschlossenen Ausbildungsdurchgangs einer festen Gruppe.

Seit 2012 bilden wir am Institut für Beziehungsdynamik Therapeut*innen fort und weiter. Alle Infos zu unseren Weiterbildungen finden sich hier auf unserer Website. Gerne können Sie bei Fragen auch Kontakt zu uns aufnehmen.

Das dritte Seminar – Von sexuellen Funktionsstörungen zur Funktion sexueller Störungen

Auf dem „Markt“ werden teils vollkommen unterschiedliche Perspektiven und Ansätze im Zusammenhang mit sexuellen Problemen verkauft. So gibt es neben wenigen etablierten sexualtherapeutischen Schulen mittlerweile in der Literatur eine kaum überschaubare Anzahl an Ratgebern, die Empfehlungen für besseren Sex, den Umgang mit oder gar die Überwindung von sexuellen Funktionsstörungen verheißen.

In diesem Seminar geht es darum, verschiedene Schulen und Sichtweisen kennenzulernen, diese intellektuell und auf Grundlage eigener Erfahrungen zu durchdringen und durch die gemeinschaftliche Auseinandersetzung zu einer eigenen, sexualtherapeutischen Haltung zu finden, die eine Begleitung von Klient*innen mit sexuellen oder Beziehungsproblemen ermöglicht. EinE Sexualtherapeut*in braucht sowohl eine Übersicht über verschiedene Konzepte als auch eine eigene konsistente Perspektive. Diese beiden Aspekte werden wir in diesem Seminar erarbeiten. Vielfach wird noch von sexuellen Funktionsstörungen gesprochen – wir kritisieren diesen Begriff, da für uns jede sexuelle Störung eine Funktion hat.

Ziele im dritten Seminar

Die Teilnehmer*innen lernen bekannte Sichtweisen kennen und gewinnen einen Überblick über sexualtherapeutische Schulen und Ansätze.

So gibt es verschiedene wissenschaftliche Schulen, die manchmal angeben, auf Grundlage empirischer Belege zu argumentieren und aus dieser Perspektive Lösungsansätze zu entwickeln. Nicht zu leugnen ist, dass die amerikanischen Forscher*innen Masters und Johnson mit ihrer empirischen Forschung grundlegende Pionierarbeit in der Sexualtherapie geleistet haben. Viele Ansätzen fußen auf dieser grundlegenden Arbeit und haben sich weiterentwickelt. Durch Beschäftigung mit den Grundlagen, sollen die Teilnehmer*innen eine eigene Haltung entwickeln, wie sie mit sexuellen Funktionsstörungen arbeiten wollen. 

Exkurs: Was sind sexuelle Funktionsstörungen?

Sexuelle Funktionsstörungen, auch als sexuelle Dysfunktionen bezeichnet, sind Störungen der sexuellen Funktionen und Reaktionen, die zu Leidensdruck bei den Betroffenen führen. Es gibt verschiedene Formen von sexuellen Funktionsstörungen:

  • Störungen des sexuellen Verlangens: Vermindertes oder fehlendes sexuelles Verlangen (Libidostörungen)
  • Erregungsstörungen: Probleme, eine ausreichende sexuelle Erregung zu erreichen oder aufrechtzuerhalten
  • Orgasmusstörungen: Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erleben
  • Schmerzstörungen: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, z.B. Vaginismus oder Dyspareunie
Perspektiven auf sexuelle Dysfunktionen

Verschiedene Ansätze und Schulen in der Sexualtherapie und zur Behandlung sexueller Funktionsstörungen

Im Seminar werden die Teilnehmer*innen die Masters und Johnson Sexualtherapie in Form des Senate Focus Übungsprogramms kennenlernen. Die darauf fußenden wissenschaftlichen Ansätze der Hamburger Schule und der Syndyastischen Sexualtherapie/ Charité Berlin werden skizziert. Grundlegend werden wir zwischen bindungsorientierten und differenzierungsorientierten Ansätzen in der Paar- und Sexualtherapie unterscheiden und auf der differenzierungsorientierten Seite die systemische Sexualtherapie nach Ulrich Clement/ Heidelberg und den Crucible Approach nach David Schnarch/ Colorado skizzieren. Daneben werden wir auch Ansätze wie den Sexocorporel-Ansatz und sexological bodywork vorstellen bzw. einordnen. Beide Richtungen, sowohl sexological bodywork nach Joseph Kramer als auch Sexocorporel nach Jean-Yves Desjardins, erfreuen sich momentan einer großen Beliebtheit, wir wollen die Grundlagen darstellen und die Ansätze verorten.

In diesem Seminar wollen wir uns auch der Frage widmen, inwieweit „Hands-On“-Ansätze wie auch Tantramassage oder sexological bodywork die Sexualtherapie unterstützen/ bereichern oder ggf. auch behindern können.

Für uns ist Sexualtherapie ohne den Körper einzubeziehen undenkbar. In diesem Seminar stellen wir daher die Grundlagen der modernen Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich erfahrbar vor.

Beziehungsdynamische Sexualtherapie und ihre Perspektive auf sexuelle Funktionsstörungen

Wir stellen die Grundprämissen unseres Beziehungsdynamischen Modells der Paar- und Sexualtherapie vor. Auf Grundlage der sexuellen Beziehungslandkarte, unseres Modells zur Arbeit und zum Verständnis sexueller Probleme, lernen die Teilnehmer*innen, die Haltung hinter einer sexueller Störungen zu erkunden. Es soll für die Teilnehmer*innen erfahrbar werden, dass eine sexuelle Störung in der Regel eine Funktion erfüllt. Dieses Therapietool können die Ausbildungskandidat*innen später auch in eigenen Sexualtherapiesitzungen nutzen.

Die verschiedenen Perspektiven werden wir gemeinsam in diesem Seminar auf verschiedene sexuelle Probleme und Störungen anwenden und diskutieren. Dabei werden die Teilnehmer*innen dazu eingeladen, eigene Haltungen zu „Störungen“ wie Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung), Ejaculatio Praecox (vorzeitiger Samenerguss), Inappetenz / Appetenzstörung, Vaginismus (Scheidenkrampf), Anorgasmie (Orgasmusstörung), Dyspareunie (Schmerzen beim Sex),  und Hypersexualität (so. Sexsucht) zu entwickeln.

Von sexuellen Funktionsstörungen zur Funktion sexueller Störungen

Für uns am Institut für Beziehungsdynamik ist der Begriff der „sexuellen Funktionsstörungen“ irreführend uns unpassend. Er legt nahe, dass es eine sexuelle Funktion gibt, die entweder normal oder gestört ist. Auf Basis der Arbeiten von Masters und Johnson mag dies ein eine mögliche Konklusion sein. Die Beziehungsdynamische Sexualtherapie fußt hier allerdings auf systemischen-konstruktivistischen Säulen. Wir gehen davon aus, dass jeder sog. sexuelle Funktionsstörung eine kommunikative Funktion hat, die es im Rahmen einer Sexualtherapie zu identifizieren und zu würdigen gilt. Weiterführend, falls interessant für Sie, empfehlen wir hier das Buch „Lust statt Frust“ von Robert Coordes. 

Systemische Therapieausbildung

Exkurs: Das Problemverständnis in der systemischen Therapie

Das systemische Verständnis des Konzepts „Das Problem ist die Lösung“ basiert auf einem ganzheitlichen Ansatz, der die Komplexität menschlicher Beziehungen und Verhaltensweisen berücksichtigt. Dieses Prinzip ist ein zentraler Aspekt der systemischen Therapie und Beratung.

Demnach macht jedes Verhalten Sinn, wenn man den Kontext kennt. Es gibt keine vom Kontext losgelösten Eigenschaften und Verhaltensweisen einer Person. Zudem hat Verständnis der systemischen Therapie jedes Verhalten eine sinnvolle Bedeutung für den Zusammenhang des Gesamtsystems.

Beziehungsdynamische Sexualtherapie in praktischer Anwendung

Vor allem ist uns wichtig, dass die Teilnehmer*innen unseren Ansatz, die Beziehungsdynamische Sexualtherapie kennenlernen, erfahren und anwenden lernen. Wir haben den Anspruch, in diesem Seminar für unsere Haltungsorientierung zu werben. Dazu werden wir entsprechende Methoden für die Praxis der Paartherapie und Sexualtherapie vermitteln, sowie die Wahrnehmung auf diese Ebene schulen und schärfen. Mit unserer sexuellen Beziehungslandkarte haben wir ein Instrument entwickelt, welches das Arbeiten mit sexuellen Funktionsstörungen maßgeblich erleichtert. 

Haltung statt Methoden und Übungen

Die innere Haltung spielt eine äußerst wichtige Rolle in unserem Leben und hat einen signifikanten Einfluss auf unser Denken, Fühlen und Handeln. In der Beziehungsdynamischen Sexualtherapie fokussieren wir überwiegend auf die innere Haltung.

Die innere Haltung beeinflusst maßgeblich:

  • Unser Denken und unseren Gedankenstrom
  • Unsere Wahrnehmung der Realität
  • Unser Selbstbild und Selbstwertgefühl
  • Unseren Umgang mit Herausforderungen
  • Unsere Beziehungen zu anderen Menschen

Sie wirkt sich auf nahezu alle Lebensbereiche, besonders auf die Sexualität, aus und prägt unsere gesamte Lebenseinstellung und das emotionale Erleben.

Haltung sexuelle Störungen

Stichworte zum Inhalt:

Masters & Johnson, Sensate Focus, Hamburger Schule der Sexualtherapie, Syndiastische Sexualtherapie, Sexocorporel, Sexological Bodywork, Systemische Sexualtherapie nach Ulrich Clement, Grundprämissen Beziehungsdynamischer Paar- & Sexualtherapie, bindungsorientierte vs. Differenzierungsorientierte Sexualtherapie, Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich, Orgiastische Welle nach Wilhelm Reich